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Energieversorgung

Neukundenstopp bei Berliner Versorger Gasag: Kein Einzelfall

Berlin (dpa)

Strom und Gas sind an den Energiebörsen so teuer geworden, dass einige Versorger derzeit keine neuen Kunden mehr haben wollen. Auch die Berliner Gasag setzt ihr Neukundengeschäft aus.

Von dpa

Die Berliner Gasag nimmt wegen stark gestiegener Beschaffungskosten vorerst keine neuen Kunden für Strom und Gas in Laufzeittarifen mehr an. Foto: picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa

Die hohen Börsenpreise für Strom und Gas machen auchgroßen Energieversorgern zu schaffen. Die Berliner Gasag teilte mit, dass sie wegen stark gestiegener Beschaffungskostenvorerst keine neuen Kunden für Strom und Gas in Laufzeittarifen mehrannimmt.

Die Gasag ist kein Einzelfall. «Auch wir beobachten aktuell, dasssich Anbieter temporär mit Neukundenangeboten zurückziehen, habenhier aber keinen vollständigen Marktüberblick», sagte ein Sprecherdes Vergleichportals Verivox. Ein Rückzug sei aber keinungewöhnlicher Vorgang, betonte er. «Bereits seit Beginn derEnergiekrise pausieren Anbieter immer wieder ihre Neukundenangeboteund kehren zurück, sobald die Marktpreise es zulassen.»

Aus Branchenkreisen wurde bestätigt, dass «vereinzelt» Unternehmenkeine Neukunden mehr in Sondertarifen aufnähmen oder bei derNeukundenwerbung zurückhaltend seien. «Die Situation ist äußerstangespannt und schwierig, weil kaum noch Kalkulationen möglich sind»,sagte ein Insider.

Die meisten Versorger wie etwa Stadtwerke kaufen einen Großteil ihrerStrom- und Gasmengen teilweise Jahre im Voraus zu festen Preisen ein.Benötigen sie darüber hinaus Energie, muss diese an den Energiebörseneingekauft werden. Dort sind die Preise in den vergangenen Monatendeutlich gestiegen, vor allem nach dem Beginn des Krieges in derUkraine.

Kein Grund zur Sorge für Bestandskunden

Die Grund- und Ersatzversorgung sei bei der Gasag nicht betroffen,sagte eine Unternehmenssprecherin. «Als Kunde der Gasag gibt eskeinen Grund zur Sorge - Ihre Versorgung ist gesichert», hieß auf derWebsite. Der Vertrieb sei jedoch vorerst gestoppt. «Aufgrund deraktuellen Marktsituation und den steigenden Beschaffungspreisen,verstärkt durch den Ukraine-Konflikt, ist es uns aktuell nichtmöglich, Ihnen ein Angebot mit fairen Konditionen anzubieten.»

Der Großhandelspreis sei verglichen mit März 2021 um mehr als 500Prozent gestiegen. «Die Gasag hat große Gasmengen bereits frühzeitigzu niedrigeren Preisen sichern können», erläuterte das Unternehmen.«Die neuen hohen Großhandelspreise müssen deshalb nicht komplett andie Kunden weitergegeben werden.» Die Gasag liefert Gas in rund400.000 Berliner Privathaushalte, mehr als 200.000 versorgt sie mitStrom.

Lage bei Energieversorger Eon

Im vergangenen Herbst hatte Deutschlands größter Energieversorger Eonfür einige Tage keine neuen Gaskunden angenommen und dies ebenfallsmit den gestiegenen Beschaffungskosten begründet. Aktuell könne manaber weiterhin Produkte für Neukunden anbieten, betonte einEon-Sprecher. «Die Lage an den Energiemärkten ist seitMonaten historisch einzigartig», sagte er. Die Beschaffungspreise fürEnergie bewegten sich schon seit Beginn der Heizperiode auf einemsehr hohen Niveau.

Der Börsenpreis für Gas, das am Folgetag geliefert wird, lag amMittwoch bei 150 Euro je Megawattstunde. Drei Wochen zuvor hatte ernoch bei knapp 69 Euro gelegen.

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