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Schlüsseldienst unseriös? So wehren Sie sich!

Kaum eine Branche ist in den letzten Jahren so stark in Verruf geraten wie der Schlüsseldienst. Unseriöse Dienstleister machen aus der Not der Verbraucher eine Tugend und stellen Rechnungen aus, die in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung stehen. Wie man sich schützen und was man gegen Wucherrechnungen tun kann, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Locksmith showing key blanks in his shop Foto: Kzenon

Aufmerksamkeit im Vorfeld - der beste Schutz gegen unseriöse Schlüsseldienste

An einen Schlüsseldienst denkt man im Regelfall erst, wenn man vor verschlossener Tür steht oder den Schlüssel verloren hat. Doch genau darin begründet sich das Problem, melden Verbraucherschützer. Wer aus der Not heraus einen Dienstleister sucht und beauftragt, ist oftmals unaufmerksam und übersieht das Wesentliche. Ein gutes Angebot am Telefon kann hier der Auslöser für die Beauftragung - und für eine überhöhte Rechnung sein. Um genau dieses Problem zu vermeiden und schwarzen Schafen nicht in die Hände zu spielen, sollte man ganz ohne Notwendigkeit Vergleiche anstellen und sich die Rufnummer eines lokalen Schlüsseldienstleisters im Smartphone einspeichern.

„Steht man erst einmal vor verschlossener Tür“, informiert der Kundenschutz, „hat man weder die Zeit noch die Nerven für Vergleiche. Die Aufmerksamkeit sinkt und man möchte nur schnelle Hilfe erhalten.“ Genau das ist das Geschäftskonzept „bundesweit tätiger“ Schlüsseldienste, die binnen weniger Minuten vor Ort sind und die am Telefon nur ungefähre Preise nennen. Vor Ort kann es richtig teuer werden, zumal der Verbraucher überrumpelt wird und oftmals unnötigerweise gleich ein neues Schloss kauft.

Verbraucherrechte: Effektiv gegen Betrug vorgehen

Nachdem sich die Vorfälle mit unseriösen Schlüsseldienstleistern häuften, musste auch der BGH reagieren. Es gibt einige Urteile, durch die Schlüsseldienste einen Teil der Kosten erstatten und die zu viel erhobenen Gebühren an den Verbraucher zurückzahlen mussten. Dennoch ist es gar nicht so einfach, sich gegen einen für den Verbraucher offensichtlichen Betrug zu wehren. Auch wenn man am Telefon einen Preis genannt bekommt, handelt es sich nicht um ein schriftliches und damit verbindliches Angebot. Vor Gericht steht Aussage gegen Aussage und als derjenige, der die Dienstleistung in Anspruch genommen hat, steht man in der Bringschuld und muss beweisen, dass man den Auftrag nicht für den in Rechnung gestellten Preis erteilt hat. Ein Verfahren lohnt sich dennoch, da die meisten Gerichte zugunsten des Auftraggebers entscheiden und bei überhöhten Rechnungen durch einen Schlüsseldienstleister entsprechende Urteile verhängen.

Wucherpreis erkannt - wie vorgehen?

Die meisten Verbraucher zahlen die Rechnung vor Ort (unseriöse Schlüsseldienste verlangen im Regelfall eine Barzahlung nach getaner Arbeit) und gehen damit einem unvermeidlichen Streit aus dem Weg. Doch befindet sich das Geld erst einmal in den Händen des so genannten Dienstleisters, ist es unmöglich, den zu viel gezahlten Betrag ohne langen Gerichtsweg zurückzubekommen. Eine Alternative ist der Anruf bei der Polizei. Dass davon bisher noch selten Gebrauch gemacht wird, liegt daran, dass gerade ältere Menschen und Frauen lieber zahlen als ein Risiko einzugehen. Denn unseriöse Schlüsseldienstleister erheben nicht nur viel zu hohe Gebühren, sie haben oftmals auch eine Präsenz, die einschüchtert. Im Zweifelsfall ist es nicht verkehrt, den Betrag vor Ort zu zahlen und sofort im Anschluss die Polizei zu rufen und Anzeige zu erstatten.

Zahlreiche Prozesse, doch kein klares Urteil

In den letzten Jahren wurden einige Urteile gesprochen und Durchschnittspreise für Schlüsseldienstleistungen benannt. Demnach kostet eine einfache Türöffnung durchschnittlich 112 Euro inklusive Anfahrt. Die Kosten erhöhen sich, wenn der Schlüsseldienst ein neues Türschloss einbaut und sonstige Sonderleistungen vornimmt. Auch der Einsatz an Wochenenden und an Feiertagen kostet mehr als die Türöffnung an Wochentagen. Jeder Verbraucher, der sich vom Schlüsseldienst ungerecht behandelt und abgezockt fühlt hat das Recht, einen Anwalt aufzusuchen oder eine direkte Anzeige bei der Polizei vorzunehmen.

Allein die Tatsache, dass es einige Urteile zugunsten von Verbrauchern gibt spricht dafür, dass sich die Gegenwehr lohnt und dass man nicht in den sprichwörtlich sauren Apfel beißen und Wucherkosten hinnehmen muss.

Zahlen oder nicht zahlen?

Wie man im Fall der Fälle vorgeht, kann nicht pauschal beantwortet werden. Während ein selbstbewusster und kräftiger Mann eher diskutiert und die Polizei ruft, wird eine ältere Dame den Betrag eher zahlen und einer direkten Konfrontation aus dem Weg gehen. Im Endeffekt sollte man individuell entscheiden und aus dem Bauchgefühl und der Situation heraus abwägen, ob eine Konfrontation mit dem Schüsseldienstleister sinnvoll ist oder ob man lieber zahlt und im Nachgang gegen die überhöhten Kosten vorgeht.

Keine Unterschrift an der Haustür leisten

„Ein seriöser Schlüsseldienstleister lässt sich kein Formular an der Haustür unterzeichnen“, sagt der seriöse Schlüsseldienst Winkler und warnt Verbraucher davor, mit ihrer Unterzeichnung einer Wucherrechnung zuzustimmen. Denn hat man die Kosten und Leistungen erst einmal durch seine Unterschrift anerkannt, ist es praktisch unmöglich, sich gerichtlich zu wehren und zu hohe Anfahrtskosten oder Stundensätze erstattet zu bekommen. Bei einer mündlichen Absprache muss der Schlüsseldienstleister beweisen, dass er den Kunden adäquat aufgeklärt und über die Kosten informiert hat. Unterzeichnet der Verbraucher, heißt das, dass er den Kosten zugestimmt und den Auftrag im Wissen erteilt hat.

GEO-Rufnummern: Das Problem falscher Ortsvorwahlen

Wer einen Schlüsseldienst sucht, wird ganz automatisch seine Vorwahl oder seine Postleitzahl eingeben. Doch im Zeitalter von Geo-Rufnummern nützt das nicht wirklich viel. Worum handelt es sich und wie ist es möglich, dass eine bundesweite Vermittlung von Schlüsseldienstleistern unter der lokalen Vorwahl gelistet ist? Nimmt ein Unternehmen ein wenig Geld an die Hand, kann es sich im Vorwahlbereich einkaufen und eine so genannte Geo-Rufnummer erhalten. Das heißt für den Verbraucher, dass er beispielsweise von München und von Flensburg aus dieselbe Hotline kontaktiert, auch wenn sie jeweils mit der standorttypischen Vorwahl als lokales Unternehmen gekennzeichnet ist.

Für den Verbraucher ist es irreführend, aber es ist kein Betrug im Sinne des Gesetzes. Hier sollte man darauf achten, ob es sich um eine Anzeige oder um ein natürliches Suchergebnis handelt. Anzeigen sind immer über den organischen Suchergebnissen (SERPs) gelistet, was den Anschein erweckt, dass es sich um eine häufig gesuchte und gebuchte Firma handelt. Wer aufmerksam ist, kann bereits beim Anruf herausfinden, ob er in einem Callcenter landet oder ob er einen wirklichen Dienstleister vor Ort kontaktiert hat.

Fazit: Wer bezahlt, hat leider oftmals das Nachsehen

Ein unseriöser Schlüsseldienst ist nicht nur ärgerlich, sondern er kann den Verbraucher einige Hundert Euro kosten. Doppelte bis drei- und vierfache Kosten gegenüber einem lokalen Dienstleister sind keine Seltenheit. Hat man den Betrag bezahlt und auf einen Anruf bei der Polizei verzichtet, ist eine Rückerstattung der Wucherkosten oftmals unmöglich. Im Endeffekt sollte man aus dem Bauchgefühl und aus der Situation heraus entscheiden, ob man gleich die Polizei ruft oder ob man lieber zahlt und sich im Nachhinein wehrt. Um das Szenario im Vorfeld zu vermeiden, sucht man sich ganz ohne aktuellen Anlass einen lokalen Schlüsseldienst und weiß dann im Ernstfall, wo man anrufen und Hilfe erhalten kann.

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