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Sonderveröffentlichung

Wann lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Eine Solaranlage auf Balkon oder Terrasse soll dabei helfen, viel Geld für Strom zu sparen. Das gilt für die Mini-Anlagen im privaten Besitz, ganz unabhängig von der Energiekrise. Denn wenn die Sonne ohnehin lange Stunden auf Balkon und Terrasse scheint, dann lässt sich das schließlich auch nutzen. Doch die Ausgaben für ein kleines Kraftwerk müssen sich rechnen. Und auch rechtlich gibt es einiges zu beachten.

von Aschendorff Medien

Foto: Colourbox.de

Investitionen müssen sich lohnen

Die wichtigste Frage für alle, die sich für eine Mini-Solaranlage interessieren, ist die nach dem finanziellen Nutzen. Schließlich muss sich die Investition in eine Anlage zur Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie lohnen. Dass die Kosten für eine solche hochwertige Technik und für deren Installation nicht sofort wieder „reinkommen“, das ist vielen der Interessenten zwar klar. Dennoch ist es für sie wichtig zu wissen, wann sich das Ganze denn nun beginnt zu amortisieren.

Um das herauszufinden, gilt es zunächst, die Ausgaben für die kleine Solaranlage am eigenen Haus realistisch anzusetzen. Und hier zeigt sich Erstaunliches. Denn eine 600-Watt-Anlage ist im Durchschnitt für bereits rund 1.000 Euro zu haben. Optimistischen Berechnungen zufolge rechnet sich eine solche Anlage dann bereits innerhalb von fünf und acht Jahren. Abhängig sind diese Werte natürlich davon, wie viel Strom ein Haushalt verbraucht, wie lange die Sonne strahlt und was der normale Strom vor Ort überhaupt kostet.

Ganz konkrete Beispielrechnungen, die alle Schätzungen auf Euro und Cent belegen, gibt es leider kaum. Dafür ist die Zahl der Variablen einfach zu hoch. Fakt ist allerdings, dass man im Süden der Bundesrepublik davon ausgehen kann, in einem Jahr eine Kilowattstunde (kWh) pro Watt Nennleistung mit dem Mini-Kraftwerk zu produzieren. Das stützt die Schätzungen einer Amortisation von Solaranlagen für Balkons nach etwas mehr als 5 Jahren. Weil allerdings die Werte im Norden Deutschlands wegen der täglich geringeren Einstrahlung der Sonne etwa bis zu zehn Prozent niedriger liegen, muss man hier durchaus von 8 Jahren ausgehen.

Rechtlich unkompliziert

Trotz der vielen bürokratischen Hürden, für die Deutschland berühmt ist: Eine Solaranlage für den Balkon braucht keine Genehmigung. Das gilt jedenfalls für ein Balkonkraftwerk mit einer Nennleistung von bis zu 600 Watt. Angemeldet werden muss die Anlage allerdings. Und das ist sogar relativ unkompliziert.

Eine vereinfachte Anmeldung erfolgt in drei Schritten:

Kontakt zum Netzbetreiber. Zuständig sind die Stadtwerke oder der Energieanbieter vor Ort. Die Anmeldung erfolgt, bevor das Balkonkraftwerk in Betrieb geht. Das kostet nichts, die Regularien gibt der Netzbetreiber vor. Eines gilt für alle Anbieter: Der Stromzähler muss passen.

Prüfung des Zählers. Wird Strom in das öffentliche Netz eingespeist, könnte es durchaus passieren, dass der Zähler in der Wohnung rückwärts zu laufen beginnt. Für die eigene Stromrechnung wäre das theoretisch nicht schlecht, doch es ist strafbar. Der Netzbetreiber baut aus diesem Grund einen Stromzähler ein, der den Rückwärtslauf abriegelt. Einmalig kostet das etwa 25 und 75 Euro.

Bundesnetzagentur. Die Behörde steht am Ende des gesamten Vorgangs. Denn ein Balkonkraftwerk muss noch registriert werden. Dazu gibt es das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Sie will den Überblick darüber behalten, wer alles in Deutschland Strom erzeugt. Jeder Einzelne sollte diesen Wunsch ernst nehmen. Denn wird das versäumt, verhängt die Agentur durchaus auch mal ein Bußgeld. Um den Vorgang zu vereinfachen, gibt es auf der Internetpräsenz der Agentur einen Online-Assistenten. Hier wird einfach ein Benutzerkonto mit Zugangsdaten angelegt und der Betreiber der kleinen Solaranlage angemeldet. Das war es schon.

Sets für die Selbstmontage

Relativ einfach ist übrigens die Installation einer Mini-PV-Anlage. Oft gibt es ein Balkonkraftwerk als Gesamtpaket. In dem Set für die Selbstmontage ist dann schon alles für den Betrieb benötigte enthalten. Das ist zum einen der Wechselrichter inklusive Anschlusskabel. Dazu kommen noch ein bis zwei Solarmodule und sowie die notwendigen Befestigungen. Um diese richtig auf dem Balkon anzubringen, braucht es noch nicht einmal Spezialwerkzeug.

Allerdings sollte man bei der Elektroinstallation im Haus etwas genauer hinsehen. In vielen Häusern ist diese schon etwas älter. Dann ist es besser, wenn ein Elektriker noch einmal den Zustand prüft.

Die Halterungen für die Solar-Panele werden am gewünschten Ort montiert. Das kann auch ein talentierter Laie vollkommen ohne extra Kenntnisse. Dann werden die Module in die Halterungen gesetzt und der Wechselrichter angebracht. Er wandelt den Solarstrom so um, dass er in das Netz des Hauses eingespeist werden kann. Damit das funktioniert, wird das Balkonkraftwerk mit der Stromanlage vor Ort verbunden. Im Prinzip geht das mit einem herkömmlichen Schutzkontakt Stecker, der einfach in die Steckdose gesteckt wird. Experten empfehlen zur Sicherheit jedoch eine feste Verkabelung. Alternativ empfiehlt sich eine Wieland-Steckdose. Diese Vorrichtung hat einen Sicherungsmechanismus, darf aber nur von einem Elektriker montiert werden.

Wichtig: Viele Balkone und Terrassen haben eine Außensteckdose. Ist das nicht der Fall, wird eine Kabelverbindung nach innen verlegt. Auch dann muss der Fachmann ran.

Grenzen und Auflagen

Den Balkon oder die Terrasse mit einer großen Solartechnik zu bestücken, ist übrigens keine Option. Denn für die kleinen Sonnenkraftwerke am Haus mit bis zu zwei Solarmodulen hat der Gesetzgeber eine Grenze von maximal 600 Watt gesetzt. Für jede Wohnung erlaubt er darüber hinaus nur eine Mini-Photovoltaik-Anlage. Jenseits von dieser Obergrenze ist es zwar erlaubt, mehr Strom zu erzeugen. Allerdings gibt es rechtliche Auflagen.

So muss ein Elektriker die Installation zwingend prüfen und gegebenenfalls anpassen. Ist es geplant, den zu viel erzeugten Strom gegen die Vergütung vom Stromanbieter in das öffentliche Netz einzuspeisen, müssen Meldepflichten erfüllt werden. Weil solche Vergütungen als Einkommen zählen, schaut nicht zuletzt auch das Finanzamt genau hin.

Messen und freuen

Wenn die Anlage auf dem Balkon oder auf der Terrasse steht, kann das Sparen starten. Zur eigenen Freude und Kontrolle möchte der Betreiber natürlich auch wissen, wie viel Strom sein Balkonkraftwerk erzeugt. Leider haben diese kleinen Solaranlagen keinen Zähler, der den Ertrag anzeigt. Dennoch lässt sich die Stromproduktion messen. Ist das Mini-Kraftwerk mit einem Schutzkontakt Stecker angeschlossen, hilft das Zwischenschalten eines Stromzählers. Ein solches Messgerät kostet im Fachhandel rund zehn Euro. Varianten gibt es für Innen und Außen.

Auch eine Wieland-Steckdose kann mit einem Stromzähler erweitert werden. Das darf allerdings wiederum nur ein Fachmann machen. Die Zähler gibt es in einer etwas kleineren Auswahl. Sie kosten auch mehr als die einfachen Stromzähler. Ein Wechselrichter, der WLAN-fähig ist, informiert seinen Besitzer über eine Smartphone-App, wie viel Strom er erzeugt. Zu einer langfristigen Auswertung können die Daten dann gespeichert werden.

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