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Besuch auf seinem Weingut „Von Othegraven“ an der Saar

Winzer Günther Jauch: „Das ist nicht nur ein Hobby!“

Er gehört zu Deutschlands beliebtesten und vielseitigsten TV-Moderatoren - doch Günther Jauch macht auch mit einem ungewöhnlichen Hobby Schlagzeilen. Er hat ein Weingut an der Saar gekauft. Wie ernst er das nimmt, erzählte er, als er den WN sein Gut zeigte.

Harald Suerland

Geheimnisse im Weinkeller: Günther Jauch und unser Redaktionsmitglied Harald Suerland lassen sich vom Önologen Andreas Barth erklären, was es mit dem Schimmel an der Decke auf sich hat. Foto: Gunnar A. Pier

Jetzt zeige ich Ihnen noch was.“ Günther Jauch ist selbst ganz begeistert, als er die Garagentür öffnet. Ein wunderschöner Opel-Oldtimer steht dort, Lack und Sitzbezüge sind perfekt aufeinander abgestimmt in den Farben Schwarz und Rot. „Es ist das Rot des Weinguts Von Othe­graven“, erklärt Jauch.

„Das war Zufall, ich habe nur noch den Schriftzug hier hinten anbringen lassen.“ Und während er das erzählt, sieht Deutschlands beliebtester Fernseh-Moderator wie ein großer Junge aus, der sein neues Spielzeug vorführt.

Von Othegraven, das bekannte Weingut an der Saar, ist seit 2010 Günther Jauchs Weingut. Er hat es nach reiflicher Überlegung gekauft, weil eine Familiengeschichte dahintersteht. Als Onkel Max, ein Bruder seiner Großmutter, hier noch Winzer war, hat der kleine Günther gelegentlich Ferien an der Saar verbracht. „Man kramt wieder in alten Fotokisten“, sinniert Jauch und erinnert sich an „Onkel Max und Tante Maria, ehrwürdige Gestalten – und die hatten einen Hund!“ Das war für den Jungen aus der dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Berlin ein Paradies. Vom Weinbau bekam er damals nicht viel mit.

Gefahr in Jauchs Keller. Foto: Gunnar A. Pier

„Hier, ein Mammutbaum“

„Das Wetter ist so schön: Wollen wir nicht zuerst durch den Garten gehen?“, fragt Günther Jauch seine Besucher direkt nach der Begrüßung am denkmalgeschützten Gutshaus. Um schon nach den ersten Schritten, halb staunend und halb stolz, auf die seltenen Bäume hinzuweisen, die ein Vorfahr anpflanzen ließ. „Hier, ein Mammutbaum“, sagt er, scheint dann von einem Nadelbaum magisch angezogen zu werden. Zwischendurch zeigt er, wo der Fluss hinter dem Garten entlangfließt, und unterbricht plötzlich wieder den gerade begonnenen Satz, um sich erneut einem Baum zuzuwenden.

Zur besseren Identifizierung hat er Schildchen anbringen lassen: „Eine chilenische Araukarie. Fühlen Sie mal die Stacheln – aber vorsichtig!“ Im Garten steht auch der Gedenkstein für jenen Ur-Ur-Ur-Urgroßvater, der als Zweiter Bürgermeister von Trier die Geburtsurkunde von Karl Marx unterschrieb. Jauch legt großen Wert auf die Familientradition.

Weingut aus Familienbesitz

„Muss der sich jetzt auch noch, wie Sting, Depardieu oder Coppola, ein Weingut zulegen?“, fragten Skeptiker. Er musste es nicht. Aber als seine Vorgängerin Dr. Heidi Kegel, frühere Chefärztin in Köln und eine Nichte von Jauchs Großtante Maria, das Weingut nach 15-jährigem Einsatz abgeben musste und die Gefahr bestand, dass der Besitz aus Weinbergen, Gutshaus und Park zerschlagen wird, reifte bei Jauch der Entschluss: „Was 200 Jahre lang gut genutzt wurde, sollte erhalten bleiben.“

Wenn es um die besonderen Qualitäten seiner Rieslinge geht, lässt Jauch gern den Kellermeister Andreas Barth sprechen, der schon seit Jahren für die önologischen Belange zuständig ist. Und fragt fasziniert nach, wenn Barth von zurückliegenden Versuchen mit anderen Rebsorten erzählt: „Wie, vom Müller-Thurgau haben wir noch was im Keller?“

Auch privat ein wissbegieriger Journalist

Verschmitzt berichtet der Quizmaster und Moderator von seiner früheren Frage, ob man auf einer Brachfläche nicht Rotweinreben anpflanzen solle: „Das kam hier nicht so gut an.“ Und als Barth über die Besonderheiten der Rotwein-Bereitung spricht und von einem Ahr-Winzer erzählt, der nur dienstags und donnerstags seine Trauben liest, schlüpft Jauch flugs in die Rolle des wissbegierigen Journalisten: „Wieso denn das, geht nicht auch dienstags und freitags?“ Na klar, sagt Barth, freitags geht auch. Nur eben nicht täglich, wie beim Weißwein.

Beim Gang durch den Keller weist Günther Jauch mit einem gewissen Stolz auf die Schimmelpilz-Kulturen hin, die sich in vielen Jahren am Gewölbe angesiedelt haben. „Da denkt man vielleicht zunächst, hier müsste mal einer mit’m Kärcher durch“, sagt er lachend, „aber das geht natürlich gar nicht.“

Kanzemer Altenberg und Ockfener Bockstein

Weil der Pilz die Luft im Gärkeller reinigt, erklärt Andreas Barth, ehe er im edel restaurierten Saal des Gutshauses eine kleine Weinprobe vorbereitet. Dabei zeigt sich: Der Kanzemer Altenberg, der sich wie eine große grüne Wand auf der anderen Seite des Gutshauses erhebt, bringt einen ganz anderen Geschmack im Wein hervor als der Ockfener Bockstein, wo blauer Schiefer liegt. Während der Kabinett vom Herrenberg beim Schnuppern fast ein bisschen muffig wirkt: Eine Irritation, die sich beim anschließenden Schmecken zu purem Wohlgefallen verwandelt.

Weinprobe mit Günther Jauch und Andreas Barth. Foto: Gunnar A. Pier

Bevor die Weinprobe beginnt, muss Andreas Barth aber noch ein bisschen auf den Gutsbesitzer warten: Der mag sich gar nicht mehr vom Keller losreißen. Günther Jauch auf abenteuerlicher Entdeckungsreise zwischen Regalen mit älteren Jahrgängen und Behältern mit noch nicht etikettierten Flaschen: „Was haben wir hier? Ah, 2009er. Und da drüben die Kiste, reserviert für einen Gastronomen der Region. Wie der die einzelnen Lagen und Jahrgänge erkennt und dann kurzerhand entscheidet: Den kaufe ich komplett. Unglaublich!“

Jauch, der Lernende

Jauch und seine Frau Dorothea, mit der er sich die Arbeit für das Weingut teilt, haben von Anfang an deutlich gemacht, dass sie Lernende sind, dass sie die Traditionen wahren wollen, auch wenn die Etiketten heute moderner aussehen als früher. Sie sind dafür freundlich in den Kreis solcher Riesling-Stars wie Egon Müller oder Roman Niewodniczanski aufgenommen worden, Jauch wurde sogar in den Verband der Prädikatsweingüter gewählt. „Ich habe Rat gesucht – und bekommen“, schwärmt er von den Saar-Winzern.

Günther Jauch und seine Frau Dorothea im eigenen Weinberg. Foto: Andreas Durst

Und während er noch wie selbstvergessen im Keller stöbert, meldet sich aus der oberen Etage seine Frau: Dorothea Jauch muss dringend Besorgungen machen und braucht das Auto – deshalb soll ihr Mann ihr verraten, wie beim ehrwürdigen Opel-Schätzchen die Schaltung funktioniert. Doch draußen zeigt sich, dass er sich die Erklärungen sparen kann: Die Garage ist von einem Anhänger zugeparkt, denn auf dem Weingut wird gearbeitet. „Dann nehme ich das Angebot von Herrn Barth wahr und leihe mir seinen Wagen“, ruft sie und macht sich eilig auf – man sieht: Die Zusammenarbeit funktioniert. Den Jauchs ist es ernst mit ihrem Weingut – wie Günther Jauch es bekenntnishaft formuliert: „Das ist nicht nur ein Hobby hier!“

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