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Warum glauben Menschen Desinformationen?

Fake News lösen Wut und Empörung aus

Münster

Pandemie, Krieg oder Wahlen: Jeden Tag erscheinen weltweit Millionen neuer Videos, Artikel oder Posts im Netz und in Chatgruppen, darunter auch viele Falschinformationen. Aus welchen Gründen fallen Menschen darauf herein? Und welche Aufgabe haben Medienprojekte in diesem Kontext?

Foto: Ludger Warnke

In sozialen Medien oder Chatgruppen kursieren immer wieder falsche Informationen. Oft werden diese Fake News weiterverbreitet, weil die teilenden Personen gar nicht erkennen, dass es sich um Desinformationen handelt. Eine zentrale Stelle für das Erkennen und Richtigstellen von Falschnachrichten gibt es in Deutschland nicht. Deshalb bemühen sich verschiedene Einrichtungen darum, Faktenchecks zu liefern.

Zeitung und Landtagswahl

Im vergangenen Klasse!-Jahr haben sich Jugendliche aus Nottuln (Liebfrauen-Realschule) und Münster (Friedensschule) intensiv mit der Landtagswahl in NRW auseinandergesetzt. Beim Unterrichtsbesuch schilderten WN-Redakteure, wie sich die Redaktionen auf Wahlen vorbereiten. Intensiv wurde auch über das angemessene Wahlalter für Jugendliche diskutiert. Und dann ging es immer wieder um Fake News, die gerade in Wahlzeiten besonders gern geteilt werden. Die Bundes- und Landeswahlleiter, so erfuhren die Jugendlichen, seien etwa für das Erkennen und Bekämpfen von Desinformationen in ihrem Aufgabenbereich zuständig.

Warum werden Falschnachrichten geteilt?

Aber: Warum sind Falschnachrichten eigentlich so erfolgreich? Der Politik- und Datenwissenschaftler Josef Holnburger hat auf diese Frage eine klare Antwort: „Weil wir ihnen gerne glauben wollen.“ Dies gehe nach Ansicht des Experten sogar so weit, dass einige Nutzerinnen und Nutzer Desinformation häufig sogar dann noch teilen, wenn diese bereits widerlegt wurde.

Gesicherte Fakten hätten es wesentlich schwerer, durchzudringen. Gründe hierfür seien unter anderem Empörung und Wut, sagt Holnburger. „Nachrichten, die wütend machen, bringen Menschen eher dazu, sie weiterzuleiten oder auf Social Media zu posten.“ Gesicherte Fakten oder Aufklärung über Desinformation – sogenannte Faktenchecks – erreichen deutlich weniger Menschen, weil sie nur selten jemanden empören oder aktivieren.

Josef Holnburger, Politik- und Datenwissenschaftler

Meist stecken Experten zufolge politische oder wirtschaftliche Absichten hinter bewussten Desinformationen. Manche der verbreiteten Thesen widersprächen sich sogar. Sinn und Zweck widersprüchlicher Fake News sei es, Nutzer mit so viel Falschem zu überschütten, dass Wahrheit und Fakten daneben fast verschwinden. „Man hat schließlich so viele alternative Hypothesen, dass man anfängt, sie zu glauben“, so Holnburger. Am Ende solle die Verlässlichkeit etablierter Medien untergraben werden. Medienprojekte haben daher auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.

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