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Kommentar zum Scheitern des Sebastian Kurz

Eine abgestandene Melange

Münster

Sebastian Kurz startete als Superstar der erstarrten Wiener Politik. Warum er nun scheitert – und warum es nicht überrascht. Ein Kommentar.

Von Claudia Kramer-Santel

Sebastian Kurz, ÖVP-Fraktionschef und Ex-Kanzler Österreichs, gibt eine persönliche Erklärung in der Politischen Akademie der Volkspartei ab. Er zieht sich aus der Politik zurück. Foto: dpa Foto: Herbert Neubauer

Lange Zeit galt Sebastian Kurz als strahlender Stern am konservativen Himmel. Er gab der abgestandenen Wiener Politik-Melange eine neue Schaumkrone – mit seiner Jugendlichkeit, seinem großen politischen Talent, seiner klaren Argumentation und neuen Politikmustern abseits des eingefahrenen ÖVP-Kurses.

Dass er teilweise stark nach rechts blinkte, gezielt ausländerfeindlich argumentierte, um auf Stimmenfang zu gehen, und gerne gemeinsame Sache mit EU-Skeptikern machte – das verzieh ihm seine große Fan-Basis gerne.

Fehlender moralischer Kompass

Woran er nun krachend scheiterte, ist die Chuzpe, mit der er seine eigenen hohen Maßstäbe jahrelang mit Füßen getreten hat. Sein Versprechen, eine Politik zu machen, die sich direkt an Wählern orientiert, entpuppt sich durch die Ermittlungen der Justiz als hohle Masche.

Chatprotokolle zeigen, dass er selbst den Prinzipien verfallen war, die er immer wieder lautstark angeprangert hatte: Korruption, Freundschaftsdienste, Machtstreben und Persönlichkeitskult. Kurz fehlt Substanz und der moralische Kompass. Vermeintlich veraltete Tugenden des „Modell Merkels“. Was für ein Zufall der Geschichte: Die deutsche Kanzlerin verabschiedet sich gerade international geachtet. Kurz geht als Verlierer.

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