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Kommentar

Ankaras freundlicherer Kurs gegenüber Berlin: Entlassen, aber nicht frei

Mesale Tolu ist nach mehr als sieben Monaten Haft aus dem Gefängnis entlassen worden – so weit so erfreulich. Doch frei ist die Deutsche nicht. Die Anklage schwebt weiter über ihr. Sie darf das Land nicht verlassen, kann jederzeit wieder verhaftet werden. 

Martin Ellerich

Medienvertreter warten vor dem Gefängnis im Stadtteil Bakirköy in Istanbul auf die Freilassung der deutschen Journalistin Mesale Tolu. Foto: Can Merey/dpa

Tolu bleibt eine Geisel der türkischen Politik – auch wenn sie mehr „Freigang“ hat als Deniz Yücel und die anderen sieben Deutschen in türkischer Haft.

Staatschef Erdogan hat den Umbau der Republik zu einem autoritären und islamistischen Staat beinahe vollendet. Nun wendet er den Blick nach außen: Die Türkei mischt sich immer stärker als Regionalmacht ein. Erdogan bezieht lautstark Stellung gegen den US-Kurs in Jerusalem und damit gegen Israel. Er stellt immer öfter die bestehenden Grenzen der Türkei infrage – zuletzt in Griechenland. Da ist Ärger programmiert.

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Mag sein, dass Erdogan sich wenigstens in den Beziehungen zu Westeuropa Ruhe wünscht. Mag sein, dass die Spuren, die der deutsch-türkische Streit in der Wirtschaft seines Landes hinterlässt, eine Rolle spielen. Was immer der Auslöser für Erdogans freundlicheren Kurs gegenüber Deutschland sein mag – klar ist, dass Berlin weiter einen unaufgeregten, aber in den Prinzipien glas­klaren Kurs gegenüber Ankara fahren muss. Die Bundesrepublik muss zu ihren Werten stehen und zugleich alles tun, um ihre Bürger freizubekommen. Eine Gratwanderung.

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