Kommentar
Ärzte erhöhen den Druck
Wird aus dem Scharmützel die Schlacht? Bisher sind es Einzelaktionen, mit denen Deutschlands Ärzteschaft den Kassen im Honorarstreit Milliarden abtrotzen will. Doch seit dem Ergebnis der Urwahl in über 30 Ärzteverbänden, die für über 100 000 niedergelassene Mediziner sprechen können, stehen die Zeichen auf Sturm.
Praxisschließungen sowie eingeschränkte Leistungen in den Behandlungszimmern würden aber weniger den unnachgiebigen Kassen, sondern mehr den gesetzlich Versicherten zusetzen. Selbst der gern gesehene Privatpatient steht möglicherweise in Kürze vor verschlossener Tür. Ärzte dürfen ihre Sprechstunden-Zeit auf ein Minimum reduzieren.
Der Patient werde dies verstehen, sagen Ärzte-Funktionäre. Ob das so stimmt? Natürlich möchte der Patient, dass sein Arzt angemessen verdient und die Praxis in Schuss ist. Doch das Verständnis für einen Ausstand hält sich wegen weit auseinanderklaffender Ärzteeinkommen in Grenzen.
Neben begründeten Interessen der einzelnen Praxis gibt es vom Zwang zur Kostendämpfung zusätzlich beförderte Klientelpolitik, uneinige Verbände, verhandlungsstärkere Kassenärztliche Vereinigungen und interne Verteilprobleme. Zusätzliche Milliarden ändern zumindest an dieser Gemengelage nichts.

