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Kommentar

Beschuss von Odessa: Putins Strategie der Unberechenbarkeit

Einen Tag nach den russischen Raketeneinschlägen im Hafen der ukrainischen Schwarzmeer-Metropole Odessa hat Moskau den international kritisierten Angriff mit der Zerstörung von US-Waffen begründet. Am Vortag hatte der Kreml noch jede Verantwortung von sich gewiesen. Ein Kommentar.

Von Dorle Neumann

Getreidesilos im Hafen von Odessa im Jahr 2016. Einen Tag nach der Vereinbarung über die Ausfuhr von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer hat Russland nach Angaben aus Kiew den Hafen von Odessa mit Raketen beschossen. Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa Foto: Jussi Nukari

Deutlicher hätte der Kreml gar nicht unterstreichen können, wie gern er Katz und Maus mit dem Westen spielt. Am Freitag wird mit viel Wirbel und der üblichen Propaganda und Schuldzuweisung ein Getreideabkommen unterzeichnet. Und am Samstag werden Getreidesilos im Hafen von Odessa beschossen. Erst lässt man durch die Türkei heftig dementieren, dann räumt man die Verantwortung ein. Auch Ankara steht nun düpiert da.

Es gilt nun, die Nerven zu behalten und sich von dieser erneuten russischen Provokation nicht von dem wichtigen Ziel abzuhalten, das ukrainische Getreide durchs Schwarze Meer abzutransportieren. Die Empfänger sind dringend darauf angewiesen, soll sich die Hungernotlage vor allem am Horn von Afrika nicht noch mehr verschlimmern, als sie durch Dürre und Stammesauseinandersetzungen schon ist.

Strategie der Unberechenbarkeit

Der Angriff lässt keinen Zweifel daran, dass Wladimir Putin die Strategie der Unberechenbarkeit verfolgt – immer mit der Absicht, Zwietracht und Misstrauen zu säen. Wer gehofft hatte, dass das Getreideabkommen ein erster zarter Schritt zu möglichen Friedensgesprächen seien könnte, ist eines Schlechteren belehrt worden.

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