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Obamas Kritik an Trump

Besser schweigen

Barack Obama kann nicht schweigen. Anders als es bei früheren US-Präsidenten üblich gewesen ist, nimmt er als Pensionär immer wieder seinen Nachfolger ins Fadenkreuz – mal durch die Blume, mal direkt. Jetzt hat er mit einem schiefen Nazi-Vergleich für Irritationen gesorgt. Ein Kommentar.

Friedemann Diederichs

Nirgendwo war dies deutlicher zu spüren als jetzt in Chicago, wo er die Freiheit der Presse und die Bewahrung von Demokratie anmahnte – und gleichzeitig Hitler und das Nazi-Regime als abschreckendes Beispiel beschwor. Das war eindeutig auf Donald Trump gemünzt – und gleichzeitig eine Eskalation der Rhetorik, wie es sie auf Präsidentenebene noch nie gegeben hat.

Dabei könnte der Vergleich nicht schiefer sein. Obama, der die Niederlage von Hillary Clinton immer noch nicht verwunden hat, irrt in vielen Punkten. Selbst wenn Trump kein Freund der Medien ist – er unternimmt keine Versuche, diese zu demontieren. Und wer erinnert sich nicht, dass Journalisten es unter Obama ebenfalls schwer hatten. 2013 hetzte er beispielsweise die Justiz auf die Agentur AP und einen Reporter, um „Lecks“ zu stopfen. Donald Trump hat zudem keine Großmachtgelüste. Für ihn gilt zwar „America first“, aber dies will er in erster Linie auf Wirtschaft und Jobs bezogen wissen. Aus Welt-Konflikten will er sich – wie Obama – am liebsten heraushalten. Und eine Gefährdung der Demokratie durch Wahl-Manipulation? Noch gibt es kein wirklich eindeutiges Indiz für eine aktive Kooperation Trumps mit Moskau. Auch Clinton suchte zudem bei den Russen nach „Schmutz“ über den Gegner. So sollte Obama besser das tun, was alle seine Vorgänger praktizierten: Zum Nachfolger schweigen.

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