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Nato-Präsenz im Baltikum

Bis hierher und nicht weiter

Vor fast vier Jahren verleibte sich Russland die ukrainische Krim-Halbinsel ein. Für die osteuropäischen Länder war das ein Alarmsignal. Ist der Hunger des russischen Bären damit gestillt – oder hat er dadurch gerade erst Appetit bekommen? Eine Analyse.

Elmar Ries

Als Reaktion auf die Annexion der Krim durch Russland wurden auch deutsche Soldaten an der Ostflanke der Nato stationiert. Foto: dpa

Die Nato wertete das Säbelrasseln Putins und die militärischen Eskapaden der Roten Armee als Affront und einen Schritt zurück in Richtung Kalter Krieg. Das Bündnis reagierte entsprechend – und erhöhte an der Ostflanke seine Präsenz.

Seit nunmehr einem Jahr zeigen darin eingebettet rund 500 deutsche Soldaten Russland die Zähne. Die Bundeswehr führt den Gefechtsverband in Litauen. In den drei baltischen Staaten hat die Nato jeweils 1000 Soldaten stationiert. Ihr Auftrag: Abschrecken.

Knapp 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt üben sie mit anderen Nationen den Ernstfall. Die Militär­manöver nennen sich „Iron Wolf“ oder „Flaming Thunder“. So bedrohlich die Namen auch klingen. Es geht in den Übungs­szenarien nicht darum, den Feind zu besiegen. Die 3000 Soldaten hätten einer russischen Invasion wenig entgegenzusetzen.

Sollen sie auch gar nicht. Die Logik der Abschreckung funktioniert anders. Mit den Truppen sendet die Nato zwei Botschaften an die Adresse Moskaus. „Bis hierher und nicht weiter“, lautet die erste. Die zweite ist unterschwellig. Natürlich weiß auch Putin, dass das westliche Bündnis in der Lage ist, seine Kräfte in Osteuropa rasch zu verstärken – in Größenordnungen, die denen der Roten Armee deutlich überlegen sind. Kein Wunder also, dass der Kreml-Herrscher so angepikst reagiert.

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