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Kommentar zum Chaos rund um das US-Kapitol

Blanke Anarchie

Tausende Trumpanhänger rund um das Kapitol, eingeschüchterte Volksvertreter, die sich verstecken müssen, zu spät eintreffende Polizei, die verzweifelt versucht, die Massen unter Kontrolle zu bringen, Tränengas: Wer am Mittwoch das US-Fernsehen verfolgte, gewann den Eindruck, in den USA herrscht die pure Anarchie.

Claudia Kramer-Santel

Anhänger von US-Präsident Trump protestieren vor dem Kapitol, während die Polizei Tränengas einsetzt. Foto: picture alliance/dpa/AP | Jose Luis Magana

Dass Donald Trump sofort auf Twitter zur Ruhe aufrief, könnte verlogener nicht sein. Das Chaos, das wie einen Putsch wirkte, hat er gezielt eingefädelt. Über eine Stunde hatte er zuvor in Washington – trotz der Pandemie – zu seinen Anhängern gesprochen und sie regelrecht eingepeitscht. „Rettet das Land“ lautete sein Motto – doch ihm ging es nur darum, sich selbst zu retten und die Bestätigung des Wahlergebnisses im Kapitol zu verhindern. Beobachter hatten bereits am Nachmittag Tausende teils bewaffnete Demonstranten durch die Stadt ziehen sehen. Warum die Polizei nicht massiv aufgerüstet hat und das Kapitol abriegelte, ist völlig unverständlich. Während der Sitzung hatten einige Republikaner mit ihrem Einspruch versucht, den Prozess formal aufzuhalten.

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