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Kommentar

Überraschung: Boris Pistorius wird Verteidigungsminister

Berlin

Boris Pistorius wird also neuer Verteidigungsminister. Mit der Personalie hatte kaum jemand gerechnet. Der Niedersachse steht vor gewaltigen Aufgaben. Und: Gerade in dem Verteidigungsressort ist die Fallhöhe groß. Ein Kommentar.

Boris Pistorius wird künftig das Verteidigungsministerium leiten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Klingbeil, Müller, Heil, Schmidt, Högl: Das waren sie, die Namen, die über das Wochenende als potenzielle Nachfolger Christine Lam­brechts an der Spitze des Verteidigungsressorts offensiv kursierten. Doch es kam anders: Boris Pistorius, der niedersächsische Innenminister, soll es nun richten. Ihn hatte kaum jemand auf dem Zettel. Der SPD-Mann übernimmt das schwierige Amt in schwierigsten Zeiten. Keine Chance auf Schonfrist.

Ob Pistorius der Richtige ist, wird sich zeigen. Das Amt hat schon vor Lambrecht etliche hochrangige Politiker verschlissen. Und der Niedersachse hat keine Erfahrungen in der Verteidigungspolitik, ist auch auf dem internationalen Parkett noch nicht in Erscheinung getreten. Allerdings gilt er als erfahrener Politiker mit Macher-Qualitäten, der weder Risiko noch Konflikte scheut und nicht zartbesaitet ist. Damit unterscheidet er sich zumindest in den Eigenschaften wohltuend von Lambrecht.

Mit seiner Ernennung hat Kanzler Scholz nun die Chance, in der Ukraine-Politik neue Akzente zu setzen und bei der Bundeswehrreform voranzukommen. Fast ein Jahr nach der ausgerufenen „Zeitenwende“ ist das dringend nötig. Dass der Regierungschef mit der Personalie Pistorius die Parität im Kabinett kurzerhand aufgehoben hat, ist nur ein kleiner politischer Schönheitsfehler, der vor der Kriegs- und Krisenkulisse allemal hinnehmbar ist.

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