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Kommentar zum Trainerwechsel beim BVB

Borussia Dortmund hängt schon wieder am Strohhalm

Dortmund

Probezeit nicht bestanden! Nach nicht einmal einem halben Jahr wirft Borussia Dortmund Trainer Peter Bosz raus. Der jüngst in Köln entlassene Peter Stöger soll es jetzt richten. Ein Befreiungsschlag? Nein, der BVB hängt somit schon wieder am Strohhalm, meint Wilfried Sprenger in seinem Kommentar.

Wilfried Sprenger

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (l) und Manager Michael Zorc (r) präsentierten am Sonntag den neuen BVB-Trainer Peter Stöger. Foto: dpa

Ganz am Ende einer wahren Kette von Endspielen war es dann wirklich ein Finale für Peter Bosz. Mit der kollektiven Bankrotterklärung gegen Werder Bremen brach in Dortmund jener Strohhalm, an den sich Clubführung und Trainer seit Wochen gleichermaßen klammerten. Das Schicksal hielt sie aus unterschiedlichen Gründen zusammen. Lange über die Tage hinaus, als es noch Hoffnung auf eine Blütezeit gab.

Bosz arbeitete nicht einmal ein halbes Jahr beim BVB. Diese Phase zählt in manchen Unternehmen zur Probezeit. Der Niederländer hat sie nicht bestanden, in Wirklichkeit ist er beim taumelnden Branchenriesen der Bundesliga nie angekommen.

Vom Fünf-Sterne-Kaufhaus zum Selbstbedienungsladen

Zugegeben, nach sieben Spieltagen führte Dortmund das Klassement verlustpunktfrei an. Doch bis dahin war die Konkurrenz (u.a. Wolfsburg, Hertha, Freiburg, Köln, Hamburg) auch ein bisschen maßgeschneidert für das System Bosz.

Als die ersten Kontrahenten die Nachteile der totalen Offensive aufdeckten und sich diese zunutze machten, blieb der BVB notwendige Antworten und brauchbare Kurskorrekturen komplett schuldig. Das edle Fünf-Sterne-Kaufhaus mutierte zu einem Selbstbedienungsladen, in dem jetzt sogar der Tabellenvorletzte Bremen ohne Scheu und Respekt unverschämt zugriff.

Peter Bosz nach der Heimniederlage gegen Werder Bremen Foto: dpa

Watzke und Co. schauten viel zu lange weg oder nicht richtig hin. Sie feierten Achtungserfolge als Schritt nach vorn und beschworen stumpf die Wende. Es war ein großer Selbstbetrug und eine Flucht vor dem Eingeständnis, beim Trainerwechsel im Sommer vielleicht Fehler gemacht zu haben.

Frische Trennung

Nun soll Peter Stöger die Situation retten. Ein ausgewiesener Fachmann, der die Bundesliga kennt, das spricht für den Österreicher. Was gegen ihn spricht, sind seine letzten Monate in Köln und die noch frische Trennung. Da war viel Frust, viel Ratlosigkeit, viel Ohnmacht, viel Schmerz. Und keine Zeit, die Dinge zu verarbeiten.

Der BVB hängt somit schon wieder am Strohhalm. Er hat in letzter Konsequenz nicht damit gerechnet, Bosz entlassen zu müssen. Jedenfalls gab es keinen Plan B. Ein grob fahrlässiges Handeln.

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