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Kommentar

Der Rücktritt von Ministerin Anne Spiegel: Ein Bild des Jammers

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel ist wegen massiver Kritik an ihrer Urlaubsreise kurz nach der Hochwasserkatastrophe an der Ahr zurückgetreten. Ihr öffentlicher Selbstbehauptungsversuch am Abend zuvor ging nach hinten los. Ein Kommentar.

Von Ralf Repöhler

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel äußert sich bei einem kurzfristig einberufenen Pressetermin in Berlin. Foto: Annette Riedl/dpa

Anne Spiegels missratener Selbstbehauptungsversuch ist nach hinten losgegangen: Die Bundesfamilienministerin tritt nicht etwa ­wegen mangelnder Vereinbarkeit von Familie und Beruf zurück, sondern ­ wegen massiver Kritik an ihrem Umgang mit der Hochwasserkatastrophe als damalige Landesministerin. Die rheinland-pfälzische Vergangenheit hat Spiegel in Berlin eingeholt.

SMS-Affäre, ihre Aussage im Untersuchungsausschuss, der vierwöchige Frankreich-Urlaub, den sie wenige Tage nach der Hochwasserkatastrophe mit der Familie antrat, obwohl das Ahrtal in den Fluten untergegangen war. Spiegel versucht, ihr Fehlverhalten mit privatesten Einblicken zu begründen. Der Mann nach einem Schlag­anfall kaum belastbar, vier kleine Kinder in Pandemie-Zeiten zu Hause – selbstverständlich ist das zu viel.

Anne Spiegel wirkte endlich ehrlich

Spiegel wirkt bei ihrem öffentlichen Erklärungsversuch endlich ehrlich. Beklemmend: Sie bietet ein Bild des Jammers, das so gar nicht zu ihrem politischen Ehrgeiz und Streben nach Spitzenpositionen passt. Spiegels Ringen um Fassung wird zum Sinnbild der Dauerüberforderung und veranschaulicht einmal mehr, dass sie das Bundesfamilienministerium nicht führen kann.

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