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Kommentar: Wie sieht die Zukunft der Krone aus?

Das Empire wirkt nach

Die Briten und Britinnen haben Abschied von der verstorbenen Queen Elizabeth II. genommen. Ihr Sarg wurde am Montag (19. September 2022) nach einem Gottesdienst in der Westminster Abbey von London nach Windsor gebracht und dort in der St.-Georges-Kapelle beigesetzt. Dies markierte das Ende der zehntägige Trauerzeit – und das Ende einer Ära.

Von Dorle Neumann

Der Sarg von Queen Elizabeth II. wurde in einer Prozession von Marinekadetten und -kadettinnen durch London gezogen und anschließend im Auto nach Windsor gebracht. Foto: Image/TayfunxSalcix Foto: IMAGO/Tayfun Salci

Bei der Pflege von Traditionen und der Organisation von großen Zeremonien macht den Briten keiner etwas vor – dies inszenieren sie mit allem Pomp, den sie aus dem Empire gerettet haben. Letzteres bedeutet ihnen noch viel, nicht zuletzt deshalb hatte der Ex-Premier Boris Johnson ja auch Erfolg im Zuge des Brexit-Referendums mit seinem Versprechen vom „Global Britain“.

Doch was halten die anderen Staaten jetzt noch davon? Nach Barbados haben weitere Ex-Kolonien aus der Karibik bekundet, sich von der Krone lösen und zu parlamentarischen Demokratien werden zu wollen. Charles III. weiß um diese Entwicklung. Seine Einladung an die Vertreter dieser Staaten zu dem informellen Dinner am Sonntagabend hatte auch den Zweck, sich diesen weiter als Staatsoberhaupt zu empfehlen. Zudem sollten Jamaika, Antigua, die Bahamas & Co. genau durchrechnen, welche finanziellen Folgen die Veränderung hätte.

Kein Zweifel herrscht darüber, dass nun – nach dem Ende der Staatstrauer – das Thema Kolonialismus und seine Folgen auf den Tisch kommen wird. Charles ist ein politisch gut informierter, sehr interessierter Monarch. Er wird sich dem stellen, was seine Mutter mit stoischer Freundlichkeit über Jahrzehnte aus den Schlagzeilen hielt. Das Commonwealth of Nations wird sicherlich das Hauptforum dafür sein.

Die Frage nach der Zukunft der Monarchie in Großbritannien selbst dürfte weiterhin nur eine Minderheit stellen. Denn das Gros hat in den letzten Tagen gezeigt, wie wichtig ihm die Royals sind. Wenn Charles die versprochene Kontinuität mit Transparenz und Volksnähe verbindet, dann wird so schnell nichts an seinem Thron rütteln. Und die Beliebtheit von William und Catherine von Wales ist bisher unumstritten.

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