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Kommentar

Das Vertrauen in den Astrazeneca-Impfstoff ist weg

Schwerer Rückschlag für Deutschlands Impfkampagne: Gesundheitsminister Spahn stoppt vorerst das Impfen mit dem Präparat von Astrazeneca. Ob der Impfstoff wieder zum Einsatz kommt, ist ungewiss.

Frank Polke

Eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns Astrazeneca steht auf einem Tisch in einer Apotheke. Foto: Christophe Ena

Jetzt also doch: Deutschland setzt auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts alle Impfungen mit Astrazeneca aus – und folgt dem Beispiel anderer Länder, die schon am Wochenende diesen Schritt gegangen sind. Ein herber Rückschlag, ohne Zweifel.

Hunderttausende haben die erste Impfung mit dem Stoff des britisch-schwedischen Herstellers erhalten – im Vertrauen darauf, dass er ihnen Schutz bietet vor dem Coronavirus. An dieser positiven Wirkung gibt es auch nach der gestrigen Entscheidung keinen Zweifel. Doch sich häufende Meldungen über seltene Thrombosen haben zu einer Neu­abwägung von Chancen (Impfschutz) und dem mög­lichen Risiko (Nebenwirkung) geführt.

Im Sinne einer funktionsfähigen Impfstrategie und vor allem des Schutzes der Bevölkerung müssen Ursache und Ausmaß der jetzt bekannt gewordenen Thrombosefälle gründlich geprüft und in einen quantitativen Kontext gesetzt werden. Es kommt jetzt darauf an, Verschwörungstheoretikern im öffentlichen Impf-Diskurs Einhalt zu gebieten. Doch seit gestern steht fest: Auch im Fall einer offiziellen Entwarnung dürfte die Bereitschaft der Menschen, ­jemals wieder Impfstoff der Marke Astrazeneca zu ­nutzen, nahe null liegen.

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