Kommentar

Der Brexit und seine Folgen: Nur noch Britannien?

Am Brexit-Tag herrscht viel Wehmut und wenig Feierlaune. Alle Seiten wollen aber auch nach vorne schauen. Doch in Nordirland und Schottland wird der Ruf nach Unabhängigkeit immer lauter.

Dorle Neumann

Der britische Premierminister Boris Johnson trifft zu einer Kabinettssitzung im National Glass Centre an der Universität Sunderland ein. Sunderland ist die Stadt, die als erste den Brexit bei der Bekanntgabe der Ergebnisse nach dem Referendum von 2016 unterstützte. Foto: Paul Ellis/PA Wire/dpa

Die einen feiern, die anderen trauern: Großbritannien ist und bleibt ein zutiefst gespaltenes Land. Was der Brexit tatsächlich bedeutet, wird aber erst ab dem 1. Januar 2021 spürbar – auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Wenn die Übergangszeit ausgelaufen ist und verbindliche Verträge in vielen Bereichen nicht mehr greifen.

Die vollmundige Aussage von Premier Boris Johnson, dass für sein Land nun glorreiche Zeiten anbrechen, könnte sich als große Lüge erweisen. Als Vertreter einer Politikerkaste, die dafür gesorgt hat, dass Fiktion die Fakten verdrängt, dass Tweets wichtiger sind als Tatsachen, dass der Machterhalt über der Moral steht, hat er zu verantworten, dass die Briten auf der Basis diffuser Gefühle über einen historischen Schritt abgestimmt haben. Die Folgen könnten dramatisch werden: In Nordirland und Schottland wird der Ruf nach Unabhängigkeit immer lauter – was bleibt? Nur noch Britannien?

Auf der anderen Seite werden sich die EU-Schwergewichte Deutschland und Frankreich damit abfinden müssen, dass die Süd- und Südostländer für eine veränderte Balance in der Union sorgen werden. Da auch dort Populisten in der Politik mitmischen, wird ein Kurs der Vernunft und des Augenmaßes immer schwieriger.

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