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Impfungen in Arztpraxen

Der potenzielle Meilenstein

Münster

Ab Anfang April sollen die niedergelassenen Ärzte in Deutschland flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen. Darauf legte sich jetzt die Gesundheitsministerkonferenz fest. Das funktioniert nur unter einer Bedingung, kommentiert Redakteur Mirko Heuping.

Mirko Heuping

Die Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht im Rahmen eines Pilotprojektes einem Patienten die erste Impfung gegen Covid-19. Foto: dpa

Das Impfen in den Arztpraxen könnte ein Meilenstein auf dem Weg zur Herdenimmunität werden. Es ermöglicht nicht nur eine Immunisierung sehr vieler Menschen innerhalb kürzester Zeit, sondern bietet gerade älteren und wenig mobilen Personen einen relativ unkomplizierten Zugang zur Impf-Infrastruktur. Zudem besteht zwischen dem Hausarzt und seinen Patienten in der Regel ein Vertrauensverhältnis, das für eine erhöhte Impfbereitschaft in der Breite der Bevölkerung sorgen könnte.

So weit die Theorie. In der Praxis ist der Erfolg dieser Maßnahme vor allem davon abhängig, ob genug Impfstoff zur Verfügung steht, um eine große Anzahl an Arztpraxen verlässlich einbinden zu können. Erneute Lieferprobleme der Impfstoff-Hersteller würden das Terminmanagement in den Praxen erheblich beeinträchtigen. Die Bereitschaft der Ärzte würde darunter genauso leiden wie das Verständnis der Patienten. Unabhängig von den anfänglichen Problemen mit den Lagertemperaturen war es daher richtig, mit der Verteilung in den Arztpraxen bis April abzuwarten.

Für das zweite Quartal sind deutlich höhere Liefermengen zumindest angekündigt. Die Impfzentren parallel weiter zu betreiben, ist daher sinnvoll. Alle vorhandenen Strukturen, die helfen, den bereits jetzt aufgelaufenen Impfstau aufzulösen, gilt es weiterhin einzubinden.

Die verbliebene Zeit bis zum Impfstart in den Praxen müssen Gesundheitsminister Jens Spahn und die kassenärztlichen Vereinigungen nun nutzen, um die Rahmenbedingungen für einen reibungslosen Ablauf zu schaffen. Dazu gehört neben der Ausstattung der Praxen mit den passenden Spritzen und Kanülen auch die Einführung einer entsprechenden Vergütungskennziffer für die Abrechnung. Die Dokumentation der Impfungen muss zwar gewährleistet werden, sollte jedoch nicht zu bürokratisch gestaltet werden. Schließlich müssen die Ärzte weiterhin die Regelversorgung ihrer übrigen Patienten gewährleisten.

Bedenken, dass die niedergelassenen Ärzte die empfohlene Impfreihenfolge nicht ausreichend befolgen, entbehren indes jeglicher Grundlage. Schwarze Schafe wird es zwar geben, allerdings sind Ärzte qua Berufsordnung verpflichtet, nach ethischen Standards zu handeln.

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