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60 Jahre Élyseé-Vertrag: Einigkeit wäre gerade jetzt wichtig

Deutsch-französische Verständigungsprobleme

Nach erheblichen Spannungen in den letzten Monaten haben Deutschland und Frankreich am 60. Jahrestag des Elysée-Vertrags die Bedeutung ihrer Freundschaft für die Zukunft Europas beschworen. Einigkeit wäre bitter nötig. Ein Kommentar.

Die Stimmung zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz ist gelöst, wären es doch auch die Probleme zwischen Paris und Berlin,. Foto: dpa/Michael Kappeler

Mit Reden auf Deutsch eroberte Charles de Gaulle einst die Herzen der Deutschen. Er versicherte – keine 20 Jahre nach Krieg und Völkermord – dem „großen deutschen Volk“ die Freundschaft der Franzosen. Jetzt hat Olaf Scholz auf Französisch für diese Freundschaft gedankt. Über die akuten Verständigungsprobleme zwischen Paris und Berlin kann das nicht hinwegtäuschen.

Emmanuel Macron setzte Scholz zuletzt mit der Ankündigung „leichter Kampfpanzer“ für die Ukraine unter Druck. Nur Wochen zuvor hat der unabgestimmte 200-Milliarden-„Doppelwumms“ des Kanzlers gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges für lautes Grummeln in Paris gesorgt. Es knirscht nicht erst seit der Ampel-Regierung: Auch Angela Merkel hat das engagierte Reformprogramm für Europa, das Macron 2017 in seiner Sorbonne-Rede vorlegte, laut schweigend überhört.

Sechs Jahrzehnte nach dem Élyseé-Vertrag ist die Achse Paris-Berlin angeknackst. Das ist eine Katastrophe für Deutschland, für Frankreich, für Europa. Selten wäre die Einigkeit der beiden wirtschaftlich und politisch starken Staaten der EU so wichtig wie seit der „Zeitenwende“. Nur geeint kann Europa Wladimir Putins Versuch, Krieg wieder zum Mittel der Politik auf dem Kontinent zu machen, etwas entgegensetzen. Adenauer und de Gaulle, Schmidt und Giscard d‘Estaing, Kohl und Mitterrand hätten daran wohl nicht gezweifelt.

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