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Kommentar

DFB im Visier der Steuerfahndung: Nicht glaubwürdig

Der Deutsche Fußball-Bund steht wieder einmal im Visier von Ermittlungen. Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main am Mittwoch die Geschäftsräume des DFB sowie Privatwohnungen von ehemaligen und aktuellen Verbandsfunktionären durchsucht. Dabei geht es um Einnahmen aus der Bandenwerbung von Heimländerspielen der Nationalmannschaft in den Jahren 2014 und 2015. Ein Kommentar.

Jürgen Beckgerd

Polizei steht vor der DFB-Zentrale. Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main am Mittwoch die Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie Privatwohnungen von DFB-Verantwortlichen durchsucht. Foto: dpa

Als der Grundstein für die neue DFB-Zentrale im Mai 2019 gelegt wurde, war die Bundeskanzlerin zugegen und ließ nach alter Sitte eine symbolische Gabe mit einmauern: eine Ausgabe des Grund­gesetzes. Angela Merkel schlug damals die Brücke von den Werten einer demokratischen Verfassung zu den Werten, „die auch in der integrativen Kraft des Fußballs“ verankert seien.

Der DFB wurde durch den Auftritt der Kanzlerin fast als eine staatstragende Organisation geadelt. Wenn das Gebaren des weltgrößten Sportverbandes der zurückliegenden Jahre zugrunde gelegt wird, ist dieser Eindruck falsch.

Zahlungen, die im Zuge der WM-Vergabe 2006 geleistet wurden, sind nach wie vor nicht zurückzuverfolgen: 6,7 Millionen Euro sind kein Pappenstiel, aber der DFB trägt außer Absichtserklärungen zu Compliance und Transparenz kein Körnchen zur Wahrheitsfindung über diese „schwarzen Kassen“ bei. Bei der Staatsanwaltschaft ist immer noch ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung anhängig.

Und nun droht erneut Ärger – wiederum ­wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Es scheint, als verspiele der Deutsche Fußball-Bund schon wieder eine Menge Glaubwürdigkeit. Die Überzeugung, er verkörpere die integrative Kraft des Fußballs im Sinne einer demokratischen Verfassung, sie schwindet.

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