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Kommentar

Die Debatte um Impfstoff-Patente ist scheinheilig

Wie beschafft man genügend Corona-Impfstoff für die ganze Welt? Die USA wollen die Produktion weltweit ankurbeln und dafür Patente aussetzen. Damit haben sie eine weltweite Debatte angestoßen.

Andreas Fier

Joe Biden, Präsident der USA, spricht bei einer Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses. Foto: Patrick Semansky/AP/dpa

Der Zeitpunkt lässt aufhorchen. Kaum haben die USA die ­Marke von 250 Millionen verimpften Dosen erreicht, da reift in US-Präsident Joe Biden die Erkenntnis, dass die Pandemie nicht nur im eigenen Land bekämpft werden muss.

Bidens Vorstoß, Patente auf Corona-Impfstoffe freizugeben, ist ebenso richtig wie scheinheilig. Er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Welt monatelang Zeuge des US-amerikanischen Impfnationalismus sein durfte. Was Biden verschweigt: Die Patent-Freigabe ist kein ­Freifahrtschein aus der Pandemie. Der Aufbau einer zuverlässigen Impfstoff-Produktion in Entwicklungsländern ist alles andere als trivial. Ein gangbarer Weg wäre vielmehr, Milliarden Dosen zu ordern und zu verschenken.

Ignoriert werden darf derweil der Aufschrei der Pharma-Branche. Allein das deutsche Unternehmen Biontech hat mehr als 350 Millionen Euro aus Steuergeldern erhalten, um einen Impfstoff zu entwickeln. Die Allgemeinheit hat also mehr als die Hälfte der gesamten Entwicklungskosten getragen. Dass nach Bidens Vorstoß die Kurse von Pfizer und Co. in den Keller rauschen, darf kein Gradmesser sein. Die gigantischen Gewinne, die diese Firmen gerade einfahren, fußen auf dem Geld aller.

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