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Kommentar zum Corona-Gipfel im Kanzleramt

Die Zeigefinger-Geste

Die Geste des drohenden Zeigefingers dürfte die jüngste Beschlusslage des Corona-Krisenmanagements treffend widerspiegeln: Gelingt durch Disziplin und Einhaltung der – jetzt weiter verschärften – Regeln die Eindämmung der Pandemie nicht, steht der Republik, gefühlt ultimativ, der zweite Lockdown ins Haus. Für die Wirtschaft eine Perspektive mit desaströser Sprengkraft.

Norbert Tiemann

Foto: Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

Ob Kanzleramt oder Staatskanzleien – das Gerede vom „historischen Gipfel“ ist fehl am Platz. Es braucht jetzt keine Wortgewaltigkeit mehr, sondern ein Krisen-Konzept mit den Qualitäts-Kriterien Erklärbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Einheitlichkeit. Nur ein praktikables Maßnahmenpaket stößt auf die notwendige Akzeptanz im Volk.

Also Schluss mit dem Durcheinander im Regel-Dickicht, mit der föderalen Abschottungspolitik. Völlig sinnfreie Verbote führen nur zu wachsendem Unverständnis, perforieren die Einsicht ins Notwendige. Deutlich mehr Infizierte und Tote – die neue Normalität bleibt der Krisen-Modus inklusive der Einschränkung der Freiheitsrechte. Das aber rechtfertigt noch lange kein Schwadronieren über einen Ausnahmezustand. Corona ist keine Episode, kein Spuk. Covid-19 bleibt.

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