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Trumps Auftritt in Iowa

Die Comeback-Show

Eigentlich ist das Wort Comeback falsch: Donald Trump hat nie aufgehört, Wahlkampf zu machen. Auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft war er wie ein rastloser Polit-Troubadour in den Weiten der USA unterwegs. Auch ohne seinen Twitterkanal sendete er dazu seine Botschaften ins Netz – per Blog, per Anzeigen, per Interview. Das trägt Früchte.

Von Claudia Kramer-Santel

Der ehemalige Präsident Donald Trump blickt auf seine Unterstützer bei einer Kundgebung. Foto: dpa Foto: Tony Dejak

Eigentlich ist das Wort Comeback falsch: Donald Trump hat nie aufgehört, Wahlkampf zu machen. Auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft war er wie ein rastloser Polit-Troubadour in den Weiten der USA unterwegs. Auch ohne seinen Twitterkanal sendete er dazu seine Botschaften ins Netz – per Blog, per Anzeigen, per Interview. Das trägt Früchte. Er bleibt in aller Munde.

Doch kaum eine Rede von ihm ist so aufmerksam verfolgt worden wie die aktuelle in Iowa. Wer derzeit dort auftaucht, hat Größeres im Sinn: das Präsidentenamt. Der berüchtigte Caucus von Iowa markiert stets den Auftakt der Vorwahlen. Der ehemalige Außenminister Mike Pompeo war schon da, Trumps ehemaliger Vize Mike Pence lässt sich immer wieder sehen. Auch einige unbekanntere Republikaner haben im Herzland des Mittleren Westens schon keck ihren Marktwert getestet. Trump muss deshalb aufpassen: Hier, wo Basisdemokratie regelrecht zelebriert wird, kann schnell ein Außenseiter die Bühne erobern.

Die Präsidentschaftswahlen sind zwar noch weit weg. Doch wer Ambitionen aufs Weiße Haus hat, muss früh starten. Bereits ein Jahr vor den Zwischenwahlen kann man in dem Schlüsselstaat mehr Aufmerksamkeit finden als anderswo. Schon jetzt lauert die überregionale Presse vor Turnhallen und örtlichen Begegnungszentren. Angesichts des munteren Mitbewerberfelds möchte Trump sein Revier markieren.

Das Momentum für Trump ist ohnehin da: Denn er hat eine Kernbotschaft, die er seinen Anhängern erfolgreich einhämmert: Die letzte Wahl war ein Betrug! So inszeniert er geschickt seine mögliche Kampagne zum großen Rachefeldzug gegen Joe Biden. Die Mehrzahl der Republikaner sehen in Trump ohnehin weiter ihr großes Idol. Der 75-Jährige hat permanent daran gebastelt, seine Partei in Schach zu halten, Kritiker einzuschüchtern. Indem er nun groß „auftrumpft“, signalisiert er potenziellen Konkurrenten in den eigenen Reihen: Wer in der Partei einen guten Posten haben will, sollte zu mir halten. Legt euch nicht mit mir an!

Biden wiederum bietet im Moment viel Angriffsfläche. Der Afghanistan-Abzug setzt ihm zu. Wen kümmert es, dass Trump die Idee dazu hatte? Wenn die Republikaner bei den Zwischenwahlen aufholen, können sie Bidens wichtige Vorhaben lähmen. Das ideale Szenario für Trumps großes Comeback. Dessen erneuter Einzug ins Weiße Haus ist deshalb alles andere als unrealistisch.

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