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Kommentar: CDU-Parteitag wählt Friedrich Merz

Ein fulminanter Start

Im dritten und letzten Versuch soll Friedrich Merz es richten. Die CDU schickt ihn mit einem fulminanten Wahlergebnis von knapp 95 Prozent ins Amt des Vorsitzenden. Ein Kommentar.

Von Norbert Tiemann

Friedrich Merz, künftiger CDU-Bundesvorsitzender, hebt den Daumen beim Bundesparteitag der CDU im Konrad-Adenauer-Haus.  Foto: Michael Kappeler/dpa

Warum nicht gleich? Diese Frage drängt sich mit Blick auf den laufenden CDU-Parteitag zwangsläufig auf. Annegret Kramp-Karrenbauer in der Merkel-Nachfolge als Parteichefin? Ein Fehlversuch, gescheitert. Armin Laschet in der Nachfolge Kramp-Karrenbauers? Nurmehr eine Episode, weil als Parteichef kaum wahrnehmbar und als Kanzlerkandidat auch gescheitert an der Würde des Amtes, die ihm mitunter zur Bürde geriet. Nun, im dritten und letzten Versuch, soll Friedrich Merz es richten. Und die CDU schickt ihn mit einem fulminanten Wahlergebnis von knapp 95 Prozent ins Chef-Amt.

Damit dürften auch die kühnsten Optimisten im Merz-Lager nicht gerechnet haben. Und der 66 Jahre alte Briloner selbst auch nicht, denn die Rührung war dem ansonsten schneidig und souverän auftretenden Zwei-Meter-Mann deutlich anzumerken. Ein tolles Ergebnis, sicherlich auch „gepolstert“ mit einer ordentlichen Portion Vertrauensvorschuss. Merz muss jetzt liefern, vorbei die nicht unkomfortable Rolle, von der Seitenlinie aus die politische Arbeit, nicht selten gewürzt mit eleganter Polemik, zu kommentieren.

CDU und CSU müssen Druck machen

Merz ist nun in der Opposition gelandet, wo Laschet & Co. zuvor bruchgelandet waren. Mit einem historisch schlechten Wahlergebnis, mit schwammigem Programm und angesichts der Konkurrenz wenig überzeugendem Personalangebot. CDU und CSU haben ihren Gestaltungsauftrag verloren, ihre Aufgabe ist es nun, die Ampel-Regierung zu kontrollieren, zu stellen, ihr Druck zu machen. Anknüpfungspunkte dazu liefert das Scholz-Kabinett gleich in den ersten Regierungswochen zuhauf; selten zuvor „glänzte“ eine Koalition vom Start weg mit soviel Dissens und Uneinigkeit.

Brinkhaus sitzt jetzt nicht fester im Sattel

Ralph Brinkhaus wird das Wahlergebnis für Friedrich Merz zu bewerten haben. Die 95 Prozent lassen ihn jedenfalls nicht fester im Sattel des Fraktionsvorsitzenden sitzen. Diese Machtfrage bleibt offen, sie wird zeitnah zu beantworten sein. Fest steht zunächst: Besser konnte es für den Sauerländer, den die kalte Schulter der Ex-Kanzlerin mit Blick auf die abgelehnte Einladung zum Dinner kaum beeindrucken dürfte, nicht laufen. Ein fulminanter Start.

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