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Bundesbank-Präsident Weidmann tritt ab

Ein Mahner kapituliert

Der Chef der Deutschen Bundesbank tritt überraschend zurück – in D-Mark-Zeiten hätte diese Nachricht die Finanzmärkte in Turbulenzen versetzt. Heute ist die Ankündigung von Jens Weidmann nicht ganz so elektrisierend, aber dennoch ein Signal

Von Jürgen Stilling

Jens Weidmann tritt als Präsident der Bundesbank zurück. Foto: dpa

. Auch wenn Weidmann für seinen Abgang auf persönliche Gründe verweist, kann man seinen Schritt durchaus als Kritik an der allzu lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank verstehen, vielleicht sogar als Resignation.

Weidmanns mahnende Stimme wird im Rat der Europäischen Zentralbank fehlen. Für die EU-Bürger, vor ­allem für die Bundesbürger, bedeutet das: Die Inflation, die durch die extrem hohen Energiepreise derzeit ohnehin schon angeheizt wird, könnte einen weiteren Schub bekommen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird nunmehr ohne jeglichen Widerstand die Schuldenpolitik der Mittelmeer-Anrainer alimentieren könne. Das eigent­liche Ziel der Geldpolitik, die Preise stabil zu halten, wird damit noch mehr vernachlässigt.

Wer Weidmanns Rücktritt als Kapitulation vor einer soliden Geldpolitik wertet, sollte nun sein Erspartes in Sicherheit bringen und in Sachwerte investieren.

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