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Kommentar zu den neuen Freiheiten

Ein mulmiges Gefühl bleibt

Ab Montag ist alles anders. Der Lockdown wird gelockert, es locken Geschäfte, Zoos, Museen. Atmen alle auf – oder gibt es ein mulmiges Gefühl? Ein Kommentar.

Gunnar A. Pier

"Wir sind noch da!", steht in einem Schaufenster: Am Montag können Geschäfte wieder öffnen - mit strengen Auflagen freilich. Foto: dpa

Geschäfte machen wieder auf: Das freut alle, die dringend eine Hose, Lesestoff oder eine neue Kaffeemaschine brauchen. Schulen öffnen: Das hilft Eltern mit Betreuungsproblemen und den Kindern, denen Lernstoff-Input und Kontakt zu Freunden fehlen. Zoos und Museen ziehen nach – und jene atmen auf, die dringend mal etwas anderes sehen müssen als die eigene Familie und die Arbeitskollegen im Videochat.

Doch es bleibt ein mulmiges Gefühl. War nicht neulich noch die 35er-Inzidenz das neue Maß, ab dem Lockerungen verantwortbar sind? Nun geht ganz viel schon bis 100. Experten warnen vor der mutationen­getriebenen dritten Welle und verderben so jede ungetrübte Freude über den befreienden Friseurbesuch.

Die neuen Regelungen sind zweifellos ein Kompromiss zwischen Sicherheit und dem Ruf nach Freiheit. Also sollte jetzt auch jeder für sich selbst Kompromisse machen: Tun, was erlaubt und notwendig ist – und möglichst meiden, was zwar erlaubt, aber noch entbehrlich ist. Die Gefahr ist nicht gebannt – aber offenbar mit ein wenig Selbstbeherrschung beherrschbar.

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