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Verdi und die Warnstreiks

Eine Zumutung

Dass Verdi für mehr Bezahlung kämpft, ist in Ordnung. Dass dieser Gewerkschaft in der Zeit der schwersten Wirtschaftskrise allerdings nichts anderes einfällt, als Beschäftigte in Warnstreiks zu schicken, ist eine Zumutung. Ein Kommentar. 

Norbert Tiemann

Für Montag und Dienstag (19. und 20. Oktober) haben die Gewerkschaften zu einem Warnstreik im Nahverkehr aufgerufen Foto: Karin Völker

Ja, es gibt sie zu Zigtausenden, die Corona-Helden. In Pflegeheimen, in Krankenhäusern, in Gesundheitsämtern. Eigentlich traurig, dass erst eine Pandemie uns einerseits den Wert ihrer Arbeit, andererseits auch die mitunter schlechte Bezahlung vor Augen führt. Ja, viele von ihnen haben – buchstäblich – mehr verdient als unsere Wertschätzung und unseren Applaus; schlicht mehr Lohn.

Dass Verdi dafür kämpft, okay. Dass dieser Gewerkschaft in der Zeit der schwersten Wirtschaftskrise allerdings nichts anderes einfällt, als Beschäftigte in Warnstreiks zu schicken, ist eine Zumutung. Und diese Aktionen, ob nun Busse und Bahnen stillstehen oder Kitas geschlossen bleiben, dürfte insbesondere bei den Millionen von Arbeitnehmern auf wenig Verständnis stoßen, die in Zeiten der Pandemie auf Kurzarbeitergeld angewiesen sind, die blanke Job-Angst haben. Das kennt man im öffentlichen Dienst so nicht.

Leider haben sich die Arbeitgeber taktisch auch alles andere als mit Ruhm bekleckert. Fakt ist aber, dass die Pandemie die öffentliche Hand in eine dramatische Kassenlage katapultiert hat, es eigentlich nichts zu verteilen gibt. Möge der Spuk ein schnelles Ende finden.

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