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Astrazeneca wird knapp

Enttäuschte Hoffnung

Vom Ladenhüter zum begehrten Gut: Seit der Impfstoff Astrazeneca für alle freigegeben ist, ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot an Vakzinen. Das sorgt für Frust bei Ärzten und Patienten. Zu recht? Ein Kommentar.

Gunnar A. Pier

Der Astrazeneca-Impfstoff wird zum gefragten Gut. Foto: dpa

Trial and error", heißt es im Englischen, und es verwundert nicht, dass sich ein deutscher Begriff so recht nicht etablieren will. Ausprobieren und eventuell aus dem Scheitern lernen – das passt nicht zur Mentalität der deutschen Weltmeister im Organisieren.

Doch genau das ist in dieser Pandemie Alltag. Alles ändert sich derart schnell, dass heute nicht mehr stimmt, was gestern richtig erschien. Die Verantwortlichen müssen sich dauernd korrigieren. Oft, ohne dass es ihnen vorzuwerfen wäre.

Und so ist auch die zunächst nachvollziehbare Idee, den Astrazeneca-Impfstoff für alle freizugeben, schnell zu einem Kommunikations-Desaster geworden. Das Interesse stieg so rasant, dass aus einem Mangel an Nachfrage ein Mangel an Impfstoff wurde. Das führt zu riesigem Frust zuerst bei den Ärzten, die mit viel Aufwand Impfpläne aufgestellt und Patienten eingeladen haben – und diese mit erneutem Aufwand ausladen müssen. Und die Ausgeladenen zweifeln mehr denn je am Funktionieren des deutschen Systems. Für sie ist es ärgerlicher, als wenn ihnen gar nicht erst Hoffnung auf baldige Impfung gemacht worden wäre.

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