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Kommentar zur EM 2021

Es war keine gute Idee

Münster

„Ich glaube nicht, dass wir das noch mal machen“, sagt Uefa-Präsident Aleksandar Ceferin vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft. Doch das Eingeständnis ist halbgar. Ein Kommentar.  

Alexander Heflik

Englische Fans feiern im Wembley-Stadion.  Foto: dpa

Die Uefa wird zumindest an dieser Stelle zufrieden sein, der wirtschaftliche Erfolg mit einem fetten Plus im dreistelligen Euro-Millionen-Bereich ist sicher. Aber die Idee einer paneuropäischen Ausrichtung in Zeiten der Pandemie bleibt eines der fragwürdigsten Projekte –  das hat selbst Uefa-Chef Aleksander Ceferin nun eingesehen.

Der europäische Dachverband versuchte einen Spagat, gemeinhin bekannt für seine durchgestylten Kampagnen gegen Rassismus und Homophobie, andererseits verweisend auf die unpolitische Note des Fußballs – wenn zum Beispiel Ungarns ultrarechte Hooligans in EM-Stadien alle Widerwärtigkeiten kundtun durften.

Sport und Politik sind längst eins

Dafür gab es keine Sanktionen, aber untersucht wurde, ob der deutsche Torwart Manuel Neuer eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben tragen durfte. Lieber weichgespülte PR-Aktionen präsentieren, als gesellschaftlich klare Kante für Demokratie, Gleichberechtigung und gegen autokratische Entwicklungen zu zeigen. Sport und Politik, so die Uefa, gehören nicht zusammen. Das stimmt nicht, denn Sport und Politik sind längst eins.

Sportlich hatte die EM Spannung, aber keinen hochklassigen Fußball zu bieten, Deutschland enttäuschte dabei. Kein Team hat das Spiel neu erfunden. Leider.

- von Alexander Heflik

Hintergrund: Uefa plant keine Neuauflage

„Ich glaube nicht, dass wir das noch mal machen“, sagte Aleksandar Ceferin, Präsident des europäischen Fußball-Verbandes Uefa vor dem Endspiel der Europameisterschaft. Ceferin kritisierte damit die Entscheidung seines Vorgängers Michel Platini, der 2012 die Idee der kontinentalen Europameisterschaft auf den Weg gebracht hatte: „Es ist eine interessante Idee, aber es ist schwierig umzusetzen.“ In elf Ländern wurde gespielt.

Allein bis Ende Juni wurden in sieben Ländern rund 2500 Corona-Fälle im Zusammenhang mit dem Besuch von EM-Spielen registriert. Rund um die Halbfinals und das Endspiel in England wird mit einem „Pandemie-Turbo“ aufgrund der Delta-Variante gerechnet. Unabhängig davon werden beim Endspiel am Sonntag 60 000 Menschen im Stadion sein. Darunter Prinz William, der im Frühjahr 2020 an Corona erkrankt war, und Herzogin Kate. 

Ceferin kritisiert Corona-Experten

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin weist die Kritik von Corona-Experten an der Fußball-EM zurück. „Die Teams verhalten sich hochprofessionell“, sagte der 53-Jährige der BBC. „Auch in den Stadien sind wir sehr strikt, und wenn ich höre, dass Politiker sagen, Menschen hätten sich bei den Spielen infiziert, ohne jeden Beweis, dann enttäuscht mich das ein bisschen.“

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin
Uefa-Präsident Aleksander Ceferin (l.) mit Prinz William im Wembley-Stadion Foto:

Der Slowene bezog sich direkt auf Zahlen aus Schottland, dort hatte die europäische Gesundheitsbehörde ECDC in Zusammenhang mit der EM bislang 1991 Fälle registriert.

„Einige sagen, 2000 schottische Fans seien infiziert, aber die schottischen Fans, die ins Stadion gegangen sind, waren getestet“, sagte Ceferin. Es seien auch 20 000 Menschen ohne Ticket nach London gekommen. „Du wirst im Park nicht getestet“, sagte Ceferin. „Den Fußball zu beschuldigen, das Virus zu verbreiten, ist aus meiner Sicht unverantwortlich.“ Die ECDC hatte im Zusammenhang mit der EM bis Mitte dieser Woche mehr als 2500 Corona-Infektionen gezählt.

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