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SPD auf Kurssuche

Gabriels Weckruf

Heimat – Leitkultur? Irritierende Begrifflichkeiten, wenn es um die Verortung der SPD geht. Ex-Parteichef Sigmar Gabriel mahnt die Genossen, sich wieder mehr um ihre klas­sischen Wähler zu kümmern.

Michael Giese

Sigmar Gabriel Foto: dpa (Archiv)

Noch im vergangenen Jahrhundert wurde die deutsche Sozialdemokratie mit dem Schimpfwort „Vaterlandslose Gesellen“ bedacht. Sigmar Gabriel ist bekannt dafür, eigene, mitunter auch sonderbare Wege zu gehen. Der frühere Parteichef mahnt die Genossen, sich wieder mehr um ihre klas­sischen Wähler zu kümmern. Industriearbeitsplätze statt Klimaschutz. Kaptalismus zähmen. Gabriel meint, in der Gesellschaft die Sehnsucht nach einer „Leitkultur“ ausgemacht zu haben. Berührungsängste mit Rechtspopulisten hat er offenbar nicht.

Der frühere SPD-Chef und Bundesaußenminister bringt sich mit seinen grundsätzlichen Ideen zum künftigen Kurs der Partei einmal mehr als führender Kopf der Sozialdemokraten ins Gespräch. Gabriel erkennt das Dilemma. Die SPD verharrt im Tal der Tränen. Weder die Neuauflage der großen Koalition mit der Union noch Neuwahlen würden unter den gegebenen Umständen einen erfolgversprechenden Ausweg weisen. Zudem muss die Partei vorerst mit einem Vorsitzenden Martin Schulz leben, der sich zwischen alle Stühle gesetzt hat und keine Option für eine bessere Zukunft der SPD darstellt.

Gabriels Forderung nach einer Kurskorrektur klingt wie ein Weckruf. Er bringt sich damit auch für neue Aufgaben in Stellung. Ob es ein Patentrezept ist, um die alte Dame SPD zu reanimieren, bleibt fraglich. Die Partei wirkt aufgewühlt – zwischen Groko und Opposition. Gabriels Beitrag könnte alte Sehnsüchte auffangen. Die Gespräche über eine Regierungsbildung in Deutschland dürften dadurch nicht einfacher werden.

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