1. www.wn.de
  2. >
  3. Kommentar
  4. >
  5. Lauterbachs Reaktion auf Arznei-Engpässe: Ganz schön spät

  6. >

Kommentar

Lauterbachs Reaktion auf Arznei-Engpässe: Ganz schön spät

Gesundheitsminister Karl Lauterbach reagiert mit veränderten Preisregeln auf die Medikamenten-Engpässe. Seine Reaktion auf die Liefer-Probleme kommt ganz schön spät. Und ein Erfolg ist nicht garantiert. Ein Kommentar.

Von Stefan Biestmann

Hunderte Medikamente sind derzeit nicht lieferbar. Foto: Waltraud Grubitzsch

Seit langer Zeit kursieren schon Berichte über Lieferengpässe bei Arzneien. Warum handelt Bundesgesundheitsminister Lauterbach erst, nachdem sich die Lage dramatisch zuspitzte und der öffentliche Druck immer größer geworden ist? Das ist ganz schön spät. Und ein großer Wurf kam dabei nicht heraus, zumal die Änderung der Preisregeln erst einmal nur einen Teil der Medikamente betrifft.

Der von Lauterbach prognostizierte kurzfristige Effekt zur Linderung der Engpässe ist nicht garantiert. Die neuen Regeln sind ein kleiner Schritt, aber lösen das Problem nicht. Die Regierung muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Hersteller stark gefragte Arzneimittel wieder verstärkt in Deutschland verkaufen – und mehr in Deutschland und Europa produzieren. Es ist ein un­haltbarer Zustand, dass einige Eltern offenbar in die Niederlande fahren müssen, um Arzneien für ihre Kinder zu kaufen

Das seit Jahren geltende „Hauptsache billig“-Prinzip führte in eine Sackgasse. Hunderte nicht lieferbare Arzneien sind das Ergebnis – und ein Offenbarungseid. Aus der Mangellage entstanden abstruse Debatten – wie die vom Ärztepräsident ins Spiel gebrachten „Flohmärkte für Medikamente in der Nachbarschaft“. Sollten die Lieferengpässe noch lange anhalten, wird es auch für Lauterbach eng.

Startseite