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Umfragewerte und Regierungsfehler

Gefährliche Distanz

Nicht zuletzt die Ruhetage an Ostern, die dann doch keine waren, sorgen für weniger Vertrauen unter den CDU-Wählerinnen und Wählern. In einem Jahr, in dem die Bundestagswahlen anstehen, sollte die Partei diesen Prozess umso schneller umkehren: Ein Kommentar. 

Frank Polke

Allensbach-Meinungsforscher erkennen aktuell einen dramatischen Vertrauensverlust vieler Unions-Anhänger in die Handlungskompetenz „ihrer“ Bundesregierung. Was kann diese dagegen tun? Foto: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Kay Nietfeld

Allensbach-Meinungsforscher erkennen aktuell einen dramatischen Vertrauensverlust vieler Unions-Anhänger in die Handlungskompetenz „ihrer“ Bundesregierung. Zu wenig Tests, schleppend verlaufende Impfungen, Rolle rückwärts bei den Osterruhetagen – vor allem ältere, konservative Bürgerinnen und Bürger erkennen darin eine Verletzung des zwischen ihnen und der Regierung geschlossenen Vertrages. Ob daraus eine langfristige Entfremdung wird und die Union dem Schicksal der erodierenden Sozialdemokraten entgegengeht, unklar.

Unionswähler möchten kompetent regiert werden

Unionswähler sind vordergründig nicht an Parteiprogrammatik oder gar Ideologie interessiert. Natürlich waren die Abkehr von der Wehrpflicht, der Ausstieg aus der Kern­energie und das zwischenzeitliche Ja zur doppelten Staatsbürgerschaft für viele, vor allem Wertkonservative, eine inhaltliche Zumutung. Die Flüchtlingskrise machte diese Brüche, diese Entfremdung sichtbar. Schon damals war das anfängliche Krisenmanagement auf vielen Verwaltungsebenen mangelhaft – nur mühsam und zeitversetzt „schaffte“ es Deutschland, eine Million Flüchtlinge zu integrieren.

Unionswähler verzeihen ihrer Partei programmatische Brüche leichter als Anhänger anderer Parteien – unter einer Voraus­setzung: Sie möchten gut und kompetent regiert werden. Diese Erwartungshaltung steht über allem anderen. Angela Merkel erfüllte diese in ihren Kanzlerjahren. Sie stand für Ruhe, Pragmatismus, Wohlstand (trotz Finanzkrise). Fehlerfreies Regieren ohne Skandale und große Pannen. Auch die internationale Anerkennung für die Regierungschefin nahmen viele Wähler gern mit. Der Lohn: Wiederwahl.

Was kann die Union tun?

Doch genau diese Symbiose droht zu zerbrechen. Brenzlig für die Wahlkämpfer im Adenauer-Haus: Die sinkenden Umfragewerte lassen das Gefühl aufkommen, die Union könne die Wahlen im Herbst verlieren. Plötzlich schlagbar, nicht von der SPD, die kaum mehr zur alten Stärke zurückfinden wird. Sondern von den Grünen, deren Duo Annalena Baerbock und Robert Habeck angesichts dieser Entwicklung gar nicht viel unternehmen muss.

Was kann die Union tun? Sie kann auf Fortschritte beim Testen und Impfen hoffen, auf eine Rückkehr zu einem weitgehend normalen Leben. Und – negativ – ihr kann die Tatsache in die Karten spielen, dass angesichts der irgendwann öffentlich werdenden finanziellen Folgen der Pandemie die wirtschaftliche Kompetenz ins Bewusstsein gerät. Denn, und das ist die gute Botschaft der Allensbach-Forscher für die Union, diese Kompetenzzuweisung zwischen Wähler und CDU ist noch intakt. Noch.

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