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Impfstoff bleibt ungenutzt

Gefährliche Zurückhaltung

Münster

Auch im Münsterland gibt es eine Zurückhaltung, sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen zu lassen. Eine gefährliche, vielleicht lebensgefährliche Entscheidung. Ein Kommentar.

Frank Polke

Die Impfungen mit Astrazeneca laufen schleppend. Foto: dpa

Es passt nicht zusammen: Vor Wochen ertönte der Aufschrei, die EU und Deutschland versage bei der Beschaffung des Impfstoffs. Israel und das so oft als negatives Corona-Beispiel herhaltende Großbritannien wurden plötzlich Vorbilder. Impfen als Schlüssel zur Rückkehr ins normale Leben, als Hoffnung für eine darbende Wirtschaft, die nicht auf staatliche Hilfe angewiesen sein will.

Und jetzt, sechs Wochen später? Der Astrazeneca-Impfstoff wurde erst pseudo-wissenschaftlich schlecht geredet, von Experten, die bestehende Zweifel verkürzt zu Profilierungsversuchen überhöhten. Konsequenz: Eine Teil Bevölkerung verschmäht dieses Vakzine. Dabei bietet es Schutz von einer schweren Erkrankung, vielleicht sogar davor, andere zu infizieren.

Zur Erinnerung: Jeden Tag sterben Hunderte an dem Virus, infizieren sich Tausende, sitzen Millionen Kinder allein zu Hause, zittern Familien um ihre wirtschaftliche Existenz. Aber Deutschland leistet sich den Luxus, oberlehrerhaft Dosen im Regal stehen zu lassen.

Die Kritik an Merkel, Spahn und von der Leyen, ja sie war nötig und richtig. Doch sie verliert ihre Argumentationsberechtigung, wenn im öffentlichen Diskurs nicht jetzt und mit gleicher Lautstärke die Akzeptanz, vielleicht sogar die Pflicht zum Impfen eingefordert wird.

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