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Kommentar zur Jahrestag der Flutkatastrophe

Halbherzige Versprechen

Bei den Gedenkfeiern zum Jahrestag der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz haben Politiker aller Parteien am Donnerstag versichert, dass man Lehren aus der Katastrophe vor einem Jahr ziehen wolle. Aber welche?

Von Andreas Fier

„Vorsicht Einsturz“ steht auf der Ruine eines von der Flut zerstörten Gebäudes unweit der Ahr in Altenburg. Foto: Boris Roessler

Am Jahrestag der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz ist – trotz anderslautender Beteuerungen der anwesenden Politiker – vor allem eins deutlich geworden: Seit der Mega-Überschwemmung ist wenig passiert, notwendige Konsequenzen sind allenfalls halbherzig gezogen worden.

Es ist kaum vermittelbar, dass Politik und Behörden ein Jahr später noch immer an Plänen für den Katastrophenschutz tüfteln, wenn doch die nächste Flut jederzeit hereinbrechen kann. Die Mängelliste beginnt bei fehlenden Sirenen und digitalen Warnsystemen, die sich noch immer in der Erprobungsphase befinden. Sie endet bei nicht vorhandenen Alarm- und Einsatzplänen – verknüpft mit der Hoffnung, Katastrophen dieser Dimension könnten in erster Linie mit ehrenamtlichen Kräften bewältigt werden.

Viel ist am Donnerstag über Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft gesprochen worden – sei es durch Taten oder finanzielle Unterstützung. Und in der Tat: die „Jahrhundertflut“ war ein wahrer Triumphzug der Selbsthilfe. Es wäre jedoch eine fatale Fehleinschätzung, darauf zu vertrauen, dass die Bürger diesen Kraftakt bei der nächsten Hochwasserkatastrophe noch einmal in dieser Form bewältigen können.

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