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Kommentar

Herbst einer Kanzlerin: Merkels Macht bröckelt

Die Kanzlerin gab ihre traditionelle Sommer-Pressekonferenz. Alles wie immer? Nein, es war der Auftritt einer Kanzlerin im Herbst ihrer Karriere.

Frank Polke

Angela Merkel, CDU, zieht nach einer Pressekonferenz eine Maske auf. Foto: dpa

Natürlich meisterte die Kanzlerin ihren Auftritt in gewohnter Souveränität. Und natürlich gab Angela Merkel gewohnt kenntnis- und faktenreich Antworten auf alle Krisenherde dieser Welt, von Belarus über den Streit in der Ägäis bis hin zu ihrer noch immer unentschiedenen Nachfolge.

Doch nicht nur das offene Aufbegehren einiger Länderchefs (an der Spitze der Ministerpräsident des „bedeutenden“ Bundeslandes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff) zeigt, dass sich Angela Merkel im Herbst ihrer Kanzlerschaft befindet. Es gelingt ihr in der Spätphase ihrer Regierungszeit immer weniger, die Wirkungsmacht neu entstandener oder wiederbelebter Machtzentren in München, Düsseldorf und im Gesundheitsministerium einzufangen oder gar zu disziplinieren.

Doch genau darauf kommt es an, um Entscheidungen des Bundes gegenüber – nicht immer unberechtigten – föderalistischen Interessen durchzusetzen.

Merkel beobachtet den Machtkampf um ihre Nachfolge mit souveräner Distanziertheit. Das gleiche Handlungsmuster ist aber untauglich für eine Regierungschefin, auf die es wohl selten wie nie ankommt, um Deutschland durch die kommenden Krisen-Monate zu führen.

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