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Kommentar

Im Ton vergriffen: Künstler, Corona und Zynismus

Die Internet-Aktion mehrerer Künstler gegen die Corona-Politik schlägt hohe Wellen. Die einen bieten Gespräche mit den Künstlern an, die anderen kritisieren den zynischen, besserwisserischen Ton der Aktion in einer Krisenzeit, in der vieles auf dem Spiel steht. Dazu ein Kommentar.

Johannes Loy

Rund 50 prominente Film- und Fernsehschauspieler sorgen mit einer großangelegten Internetaktion unter dem Motto #allesdichtmachen für Aufsehen. Foto: Patrick Pleul / dpa

Keine Frage. Nach über einem Jahr Corona liegen die Nerven blank. Überall und bei allen. Nicht nur bei Kulturschaffenden. Zumal jetzt mit der wachsenden Impf-Dynamik Licht am Ende des Tunnels aufscheint und die Ungeduld wächst.

Das alles ist dennoch kein Grund für Zynismus, Spott oder gar Häme gegenüber jenen, die an politischer Stelle Verantwortung tragen und zusehen müssen, dass die dritte Welle der Pandemie eben nicht in Masseninfektion, Chaos oder gar Triage mündet. Keine gesellschaftliche Gruppe oder Institution darf für sich in Anspruch nehmen, in der Pandemie alles perfekt prognostiziert und sämtliche Probleme passgerecht in den Griff bekommen zu haben. Versuch und Irrtum sind seit einem Jahr unsere ständigen Begleiter. Damit nicht hier wie da die Dämme brechen.

Jan-Josef Liefers und seine eher privilegierten Kollegen haben sich mit ihren ironisch-zynischen Anwürfen gegen die Politik keinen Gefallen getan, sondern gewaltig Sympathiepunkte verspielt. Auch die pauschale Schelte gegen die Medien geht fehl. Zumal gerade diese allen Branchen und Sparten der Gesellschaft in der Krise Stimme und Sitz im öffentlichen Disput gewähren.

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