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Kommentar

Impftermin-Erschleicherei: Fatal, aber egal

Im Corona-Impfzentrum geht es offenbar zu wie auf einer guten, deutschen Autobahn: Da wird gedrängelt, falsch überholt, betuppt und ausgebremst. Das ist zwar unsolidarisch und nervig, bleibt in diesem Fall aber nahezu folgenlos: Weil inzwischen so viel geimpft wird, dass ein paar Tausend Quertreiber faktisch kaum ins Gewicht fallen. Ein Kommentar.

Elmar Ries

Viele Impfzentren klagen über Aggressivität von Impfwilligen und zunehmende Versuche, sich eine vorzeitige Impfung zu erschleichen. Foto: dpa

Bei den Corona-Impfungen lief es in Deutschland lange Zeit nicht rund. Vakzine waren Mangel­ware, das Klagen groß, die Blicke Richtung Israel, Großbritannien und in die USA neiderfüllt. Das alles ist passé: ­Inzwischen impft Deutschland wie ein Weltmeister – und holt im Ländervergleich immer mehr auf. Das ist die erste gute Nachricht.

Die zweite: In dem Maße, in dem der Impfstoff in großen Mengen verfügbar ist und sich immer mehr Hausärzte an der Kampagne beteiligen, sinkt die Inzidenz sowie die Notwendigkeit einer Impf-Priorisierung. Zuerst kamen die Betagten an die Reihe, dann die ziemlich Alten, danach waren es besonders Gefährdete – schon bald sind es Herr und Frau Jedermann.

Bleibt das leidige Thema der Vordrängler, Betupper und Impftermin-Erschleicher. Ihre Zahl geht in die Tausende. Ein solches Verhalten ist natürlich schäbig, unsolidarisch und störend. Mit Blick auf den Fortschritt der Kam­pagne ist es glücklicherweise aber nahezu folgenlos. Rund 35 Millionen Impfdosen haben die Impfzentren bislang verabreicht. Bleibt das Tempo hoch, könnte im Juli jeder, der möchte, geimpft worden sein. Da fallen quertreibende Banausen allenfalls moralisch ins Gewicht.

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