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Kommentar: Stadionkonzert trotz Corona

Irgendwie Punk

13 000 Fans - alle mit Mundschutz und Sicherheitsabstand ihrer Sitzplätze zu Fremden. Auf der Bühne Bryan Adams und Sarah Connor. So plant Konzertmogul Marek Lieberberg das erste Großkonzert seit der Corona-Pandemie in Deutschland. Das hält unser Redakteur Gunnar A. Pier von dieser Idee:

Gunnar A. Pier

Sänger Alec «Boss Burns» Völkel (r) und Gitarrist Hoss Power bei einem Auftritt. Foto: Thomas Frey

Da traut sich einer was! Ausgerechnet in diesen Tagen, an denen sich alle wegen steigender Corona-Zahlen und der drohenden zweiten Welle sorgen, kündigt Marek Lieberberg ein großes Rock-Konzert an. Das ist mutig, trotzig, irgendwie Punk.

Seien wir ehrlich: Ein toller Abend wie früher, vor der Pandemie, kann das nicht werden. Zur Stimmung gehören Gedränge vor der Bühne, mitsingende Massen und das Gefühl, für zwei, drei oder fünf Stunden mal alle Vernunft vergessen zu dürfen. Stattdessen: strenge Regeln, lichte Reihen – und zwischen den so gut wie leeren Rängen eine dumpfe Bahnhofs-Toiletten-Akustik. Der „Summer of 69“ war anders.

Aber darum geht es nicht. Der Abend ist ein Statement, ein Lebenszeichen der Pop-Branche und der trotzige Versuch, zu zeigen, dass es doch irgendwie klappen kann. Dass das Virus uns nicht alles nehmen kann. Und Lieberberg, ein Urgestein unter den deutschen Konzertveranstaltern, wird alles dafür geben, dass alle Regeln eingehalten werden. Ein Modell für die Zukunft aber kann das nicht werden. Denn finanziell wäre diese Show, würde sie reell abgerechnet, ein Desaster. Für 13 000 Zahlende kann keiner ein Stadion mieten.

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