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Kommentar zu Karstadt-Verkauf

Jetzt regiert der Rotstift noch stärker

Überraschend kommt die Nachricht nicht. René Benko übernimmt Karstadt – zahlen muss er dafür nur einen symbolischen Euro. Doch hat der Österreicher ernsthafte Sanierungspläne oder zwingt ihn nur sein bisheriges Immobilien-Engagement zum Handeln?

Jürgen Stilling

Foto: dpa

Sicher ist, dass Benko bislang nicht als Samariter aufgetreten ist. Er ist knallharter Immobilien-Eigner, der mit Karstadt mittel- und langfristig zweifelsohne Geld verdienen will.

Gelingen kann das wohl nur, wenn die Idee der Deutschen Warenhaus AG, also der Zusammenschluss mit Kaufhof, Realität wird. Denn mit ihrer mehr als 150 Jahre alten Tradition gelten die Warenhäuser als die Dinosaurier der Einzelhandelsbranche. Nur mit vereinten Kräften lässt sich daher dieses althergebrachte Konzept in die Zukunft tragen.

In der nächsten Woche will der Karstadt-Aufsichtsrat seine Sanierungspläne präsentieren. Zu befürchten ist, dass dann viele der 17 000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren oder zu Gehaltsabstrichen genötigt werden. Die Zeiten, in denen das Management den Schulterschluss mit der Belegschaft suchte, dürften endgültig vorbei sein. Auch Benko wird keine Führungsspitze installieren, die nach dem Vorbild der zurückgetretenen Eva-Lotta Sjöstedt der Qualität Vorrang gibt. Vielmehr dürfte der Rotstift jetzt noch stärker regieren als bisher schon. Jürgen Stilling

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