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Kommentar zu Afghanistan

Kabul kapituliert, der Westen versagt: Alles vergeblich

Münster

Die afghanische Regierung gibt auf; die Taliban übernehmen wieder die Macht im Land. Der Westen versucht hektisch, sein Personal aus den Botschaften zu evakuieren - und hat auf ganzer Linie versagt. Ein Kommentar.  

Von Elmar Ries

Taliban-Kämpfer auf dem Vormarsch: Am Sonntagmorgen begann der Sturm auf die Hauptstadt Kabul; nur wenig später kapitulierten die Regierung. Foto: dpa/Hamed Sarfarazi

Afghanistan ist gefallen. Zwei Wochen haben die Taliban benötigt, um die von den USA und ihren Partnern ausgebildete und ausgerüstete Armee zu besiegen. Dass die Islamisten die Macht übernehmen, stand fest. Dass es so schnell ging, überraschte selbst die westlichen Regierungen. Die schauen nun so hilf- wie machtlos zu und versuchen zu retten, was zu retten ist; vor allem das eigene Botschaftspersonal.

Afghanistan ist nicht Mali, nicht der Sudan, nicht Eri­trea. Indem sich der Westen 20 Jahre lang am Hindukusch engagiert hat, hat er Verantwortung übernommen. Und im Moment höchster Not auf ganzer Linie versagt: Nicht der Abzug war ein Fehler, wohl aber, dass er übereilt geschah. Das vorhersehbare Vakuum füllten die Taliban.

Jetzt wird evakuiert

Jetzt wird evakuiert. Das Bild eines amerikanischen Helikopters über der US-Botschaft in Kabul spricht Bände. Die Bundeswehr startet heute – und damit zu spät. Wer kümmert sich um die Ortskräfte, die den Deutschen halfen? Längst hätten sie in Sicherheit gebracht werden müssen. Stattdessen werden auch sie ihrem Schicksal überlassen. Das Beispiel Afghanistan zeigt: Wer Verantwortung übernimmt, zahlt einen Preis. Wer das vergisst, säht schnell Tragödien.

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