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Kommentar

Kein Ausweg aus der Katalonien-Krise in Sicht: Jetzt hilft nur der Dialog

Was nun? Die Regionalwahl in Katalonien hat vor allem eines nicht gebracht: Klarheit über die Zukunft der Region. Hier ein aufmüpfiger Separatistenführer im belgischen Exil, der sich diebisch über eine „Ohrfeige“ für Madrid freut. 

Michael Giese

Anhänger der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien feiern in der katalanischen Nationalversammlung den Gewinn der Wahlen zum Regionalparlament. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Dort ein störrischer spanischer Regierungschef, der zwar Gesprächsbereitschaft mit Barcelona signalisiert, aber zu seinen Bedingungen. Keine erneute Ausrufung der Unabhängigkeit Kataloniens.

Die Frage, wie es weitergeht zwischen Madrid und Barcelona, ist so offen wie zuvor – ein Ausweg aus der Krise nicht in Sicht. Kataloniens Separatisten um den abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont fühlen sich wie im siebten Himmel. Doch was haben sie gewonnen? Puigdemont droht bei einer Rückkehr in die Heimat weiterhin Gefängnis. Und die Gegner der Abspaltung bilden die stärkste Fraktion im katalanischen Parlament. Diese Wahl hat die Bevölkerung nicht geeint, sondern nur noch tiefer gespalten. Das stellt eine ernste Bedrohung nicht nur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die wirtschaftliche Prosperität Kataloniens dar. Auch für Spanien entwickelt der Konflikt mit Barcelona zusehends zerstörerische Kräfte.

Was tun? Es gilt nun, die richtigen Lehren aus dem Dilemma zu ziehen – Kompromisse zu finden. Es wäre ein Sieg der Vernunft, wenn beide Seiten die Hand ausstreckten und den Dialog suchen würden. Ohne Bedingungen. Will Puigdemont jemals aus Belgien zurückkehren, muss er sich bewegen. Aber auch Rajoy sollte erkennen, dass er sich in die Sackgasse manövriert hat. Eine Wahlbeteiligung von 82 Prozent lässt sich nicht ignorieren. Rajoys eigene Partei hat bei der Regionalwahl eine Bruchlandung erlebt. Es ist Zeit, vom hohen Ross in Madrid zu steigen.

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Es wird sich zeigen, ob die beiden Lager zur Versöhnung bereit sind. Europa könnte dabei helfen, Brücken zu bauen. Nicht offen, aber auf di­plomatischen Kanälen. Der Konflikt um Katalonien wird mithin zu einer Bewährungsprobe für den Zusammenhalt der Gemeinschaft.

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