1. www.wn.de
  2. >
  3. Kommentar
  4. >
  5. Kein Geniestreich von Söder

  6. >

Kommentar

Kein Geniestreich von Söder

CSU-Chef Markus Söder sieht im Votum der CDU-Spitze für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union zwar ein wichtiges Signal - aber noch nicht die endgültige Entscheidung. Die quälende Personalfrage bleibt also ungeklärt. Ein Kommentar.

Norbert Tiemann

Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern, gibt nach der virtuellen CSU-Präsidiumssitzung eine Pressekonferenz. Foto: Peter Kneffel/dpa

Kein strategischer Geniestreich aus dem Hause Söder: Seine ­Bereitschaft zur Kandidaten-Kandidatur einen Tag vor der Sitzung der CDU-Gremien zu offenbaren und dazu deren Ja einzufordern, hat postwendend die durchaus erwartbare Reaktion gezeitigt: Die CDU-Führung steht hinter der Kandidatur ihres neuen Chefs Armin Laschet. Der geschwisterlichen Freundschaft dürfte es geschuldet sein, dass noch kein formaler Beschluss gefasst, sondern zunächst nur ein Meinungsbild eingeholt wurde.

Damit wäre die quälende Personalfrage eigentlich geklärt. Eigentlich. Söder aber gibt nicht auf, sondern in der Heimat weiter den starken Mann, indem er mit seinen guten Umfragewerten kokettiert. Und damit, nicht frei von überheblicher Genüsslichkeit, den Finger in die Wunde des Laschet-Votums legt, denn dessen Werte sind natürlich eine schwere Bürde – für Laschet selbst und für die Wahlaussichten der Union insgesamt.

Der Aachener besitzt Kämpferqualitäten; er braucht sie im Nervenkrieg mit Söder, dann im Wahlkampf. Denn das Ja der CDU-Granden zu seiner Kandidatur fußt auch auf einer objektiv gebotenen Loyalität und ist dazu gepaart mit einer gehörigen Portion Vertrauensvorschuss.

Startseite