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Kommentar

Die Wahrheit über das Olympia-Attentat 1972 ist überfällig

München/Münster

Die Angehörigen der Opfer wollen nicht zur Gedenkfeier 50 Jahre nach dem Attentat bei den Olympischen Spielen in München kommen. Der Streit droht zu eskalieren. Die Wunden sind auch 50 Jahre danach nicht verheilt.

Gedenktafel sowie Türschild und Eingang zum ehemaligen Wohnhaus der israelischen Olympiamannschaft in der Conollystraße 31 im Olympiadorf München, wo palästinensische Terroristen in der Nacht zum 05. September 1972 die israelische Olympiamannschaft überfielen Foto: Imago Foto: imago sportfotodienst

Heiter sollten die Olympischen Wettbewerbe von München 1972 werden. Am Ende gingen die Spiele als Tragödie in die Geschichte ein. Elf Israelis, dazu ein Polizist ließen ihr Leben bei einer Geiselnahme durch palästinensische Terroristen, nach schweren Pannen beim Polizeieinsatz. Trotz allem liefen die Spiele weiter. Es folgten Lücken und Leerstellen bei der Aufarbeitung.

Man zog wichtige sicherheitstechnische Konsequenzen wie die Gründung der Spezialeinheit GSG 9. Damit ist den Angehörigen der Opfer nicht geholfen. Ihr Trauma bleibt. Ihre Wahrnehmung, Anfeindungen und einem würdelosen Gezerre um Entschädigungen ausgeliefert zu sein, überlagert so das Geschehen 50 Jahre danach.

Es geht um Würde

Die ganze Wahrheit muss endlich ans Licht. Dass deutsche und israelische Historiker die Ereignisse neu bewerten – überfällig. Doch es geht um mehr: um Würde. Wie abfällig und ausfällig Palästinenserpräsident Abbas auf die Frage nach einer Entschuldigung gerade im Kanzleramt reagiert hat, lässt tief blicken. Geld und eine Kommission dürften die Wunden nicht heilen. Ob Bundespräsident Steinmeier, der nun mit Betroffenen sprechen will, die Wende erzielt? Vielleicht. Warum erst jetzt?

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