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Dreikönigstreffen der FDP

Liberale Hoffnungen

An Selbstbewusstsein hat es Christian Lindner noch nie gefehlt. Beim Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart lobte Lindner am Sonntag einen neuen Aufbruch für seine Liberalen aus.

Frank Polke

 Christian Lindner, Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP), spricht während des Dreikönigstreffens der FDP in der Stuttgarter Oper. Foto: dpa

Mag man die Chancen bei der Europawahl noch als gut bis sehr gut bewerten (die FDP war und ist die Partei von Hans-Dietrich Genscher), dürfte es der FDP gerade bei den Wahlen in Ostdeutschland eher schwer fallen, flächendeckend stabile Ergebnisse über zehn Prozent zu erreichen. In Thüringen, Brandenburg und Sachsen dürfte die Schlacht zwischen CDU und AfD geschlagen werden – Grünen und FDP wird es schwer fallen, im Fokus der Wähler wahrgenommen zu werden.

Doch gerade dies könnte der FDP eine Chance eröffnen. Wenn die Liberalen clever sind, sprechen sie gezielt die Generation der Ostdeutschen an, die durchaus zu den Gewinnern der Einheit zählen und dort für den Aufschwung Ost 2020 sorgen. Digitalisierung, Steuergerechtigkeit, weniger Staat – auch in den größeren Städten wie Dresden, Erfurt oder Potsdam leben Menschen, bei denen das Thema Flüchtlinge nicht beherrschend für ihre Lebenssituation ist.

Lindner kann Wahlkampf, ohne Zweifel. Aber seine Partei, sein Umfeld tickt doch eher westdeutsch. Noch bleiben acht Monate Zeit, um den durch den Rückzug von Merkel als CDU-Parteivorsitzende frei gewordenen Spielraum zu nutzen, um die FDP als echte Regierungsalternative auch im Osten in den Vitrinenschrank der politischen Angebote zu stellen. Sollte es Lindner gelingen, aus dem Jahr 2019 achtbare Ergebnisse zu holen, könnte in der Nach-Merkel-Kanzler-Zeit schneller als gedacht die Stunde für einen zweiten Jamaika-Versuch schlagen.

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