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Kommentar

Lockerungen in den Niederlanden: Ende der Geduld

Auch wenn die Corona-Inzidenz derzeit nur leicht zurückgeht, wollen die Niederlande das öffentliche Leben wieder etwas leichter machen. Deutschland ist noch nicht so weit. Ein Kommentar.

Von Frank Polke

Mark Rutte (r), Ministerpräsident der Niederlande, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU nehmen am Festakt der Eröffnung der Ausstellung «Johannes Vermeer. Vom Innehalten» der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) in der Skulpturenhalle des Albertinums teil. Foto: Robert Michael

Nein, das Coronavirus ist in ­Enschede nicht weniger an­steckend, nicht weniger ge­fährlich als bei uns im Münsterland. Noch immer stecken sich sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden täglich Tausende Menschen mit dem Virus an, das für Ungeimpfte nichts an seiner Gefährlichkeit verloren hat.

Es gibt im Vergleich zur ersten, zur zweiten und auch zur dritten Welle aber einen wesentlichen Unterschied: Aktuell verzeichnen fast ausschließlich ungeimpfte Menschen schwere Krankheitsverläufe, die eine Behandlung im Krankenhaus erfordern oder gar tödlich enden. Mit dieser Tatsache gehen die beiden Länder (und Gesellschaften) politisch unterschiedlich um: Ministerpräsident Rutte nimmt auf die Minderheit der ungeimpften Niederländer wenig bis keine Rücksicht, die Mehrheit der Geimpften und der Vorsichtigen erhält ihre Freiheitsrechte zurück.

Deutschland ist noch nicht so weit. Sowohl Bund als auch Länder warten darauf, dass viele Ungeimpfte noch zu der Einsicht kommen, dass ihre Entscheidung mehr bedeutet als ein individuelles Nein, sondern die Gesellschaft im wahren Sinn des Wortes in Mitleidenschaft nimmt. Unser Nachbarland hat so viel Geduld nicht.

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