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Protestmarsch von Coronapolitik-Kritikern

Methode Angst

Demonstranten ziehen mit Fackeln zum privaten Wohnsitz einer Ministerin. Der teils völlig irrational wirkende Widerstand gegen die Corona-Politik in Sachsen ist gleich aus mehreren Gründen verstörend.

Von Claudia Kramer-Santel

Petra Köpping (SPD), Gesundheitsministerin in Sachsen Foto: dpa Foto: Matthias Rietschel

Was sind das für Zeiten? Menschen, die unzufrieden mit der Corona-Politik sind, ziehen vor das Haus einer Ministerin, schwenken dabei Fackeln. Ihre Ziele sind klar: Einschüchterung und Angst.

Protest gegen Politiker ist legitim. Doch der Ort dafür ist nicht eine Privatwohnung, sondern ein öffentlicher Platz. Und Protest hat Grenzen: Da wo er gegen Corona-Regeln verstößt, zur persönlichen Bedrohung wird. Was verstörend ist: Der teils völlig irrational wirkende Widerstand scheint da am größten, wo die Inzidenzen am höchsten sind wie in Sachsen.

Es ist verständlich, dass Erfahrungen mit einem Staat wie der DDR, der individuelle Rechte mit Füßen getreten hat, die Sorge vor Einflussnahme von oben steigern. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Trotzdem scheint die scheinbar feste Decke der aufklärerischen Vernunft teils dünn und rissig. Die Krise ist der Nährboden für ein Anwachsen des Ressentiments. Durch Schuldzuweisungen einfache Entlastungen für komplexe Probleme zu schaffen, ist das gefährliche Angebot der rechten Einpeitscher. Gefragt sind jetzt Zusammenhalt, Verantwortung und Solidarität, Werte, die glücklicherweise die übergroße Mehrheit in Deutschland vertritt und lebt.

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