Aus für den INF-Abrüstungsvertrag

Misstrauen regiert die Welt

Michail Gorbatschow und Ronald Reagan haben 1987 im Kalten Krieg Geschichte geschrieben. Ein Vertrag – zwei Unterschriften: Die Angst vor dem atomaren Schlagabtausch zwischen Russland und den USA, die damals wie ein Damoklesschwert über Europa schwebte, hatte sich über Nacht verflüchtigt. Eine schöne Geschichte – leider gehört sie nun unwiderrufbar der Vergangenheit an.

Michael Giese

Jens Stoltenberg, Generalsekretär der Nato, spricht bei einer Pressekonferenz im Nato-Hauptquartier. Die Nato-Partner der USA haben sich geschlossen hinter deren Entscheidung gestellt, aus dem INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen auszusteigen. Foto: dpa

Mit dem Aus für den INF-Vertrag sind Tür und Tor geöffnet für den globalen Rüstungswettlauf. Europa spielt dabei nicht mehr die Hauptrolle. Die Weltmächte belauern sich vor allem im asiatisch-pazifischen Raum. Dort gilt es, strategische Pflöcke einzuschlagen. Die große Konfrontation zwischen Moskau und Washington verstellt ein wenig den Blick auf die wahre globale Herausforderung: Der ökonomische und militärische Siegeszug Chinas sorgt für Druck. Amerikaner und Russen dürften insgeheim froh sein, endlich den Ballast des Abrüstungsvertrages abwerfen zu können.

Misstrauen regiert die Welt. Und so kehrt die Angst vor dem atomaren Aufrüsten wieder zurück. Dass Peking sich mit Amerikanern und Russen an einen Tisch setzen könnte – wie Gorbatschow und Reagan 1987 – ist nicht mehr als ein schöner Traum.

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