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Kommentar

Neuer Regierungschef in Sachsen: Menschen zurück gewinnen

Wohl kein anderes Bundesland taugt so gut als Brennglas für gesellschaftlich-politische Verwerfungen in den neuen Ländern wie Sachsen. Trotz guter wirtschaftlicher und sozialer Lage ist dort die rechtspopulistische AfD zur zweitstärksten politischen Kraft herangewachsen – hinter der seit der Wende in Sachsen regierenden CDU. 

Frank Polke

Der neue Ministerpräsident von Sachsen, Michael Kretschmer (CDU). Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Die früher als Protestpartei fungierende Linke verliert mehr und mehr an Unterstützung – und die Verdrossenen suchen ihr Heil bei der Gauland-Höcke-Partei.

Seit gestern ist Michael Kretschmer neuer Ministerpräsident Sachsens. Der junge Konservative löst den blassen Stanislaw Tillich ab, der keine überzeugenden Antworten auf die Herausforderung von rechts fand. Dabei rühren die Gründe für den AfD-Erfolg tiefer. Die CDU hat das Problem lange verniedlicht oder negiert (Biedenkopf: „Sachsen hat kein Problem mit rechts.“), hat die Schulen, die Hochschulen zumindest im Raum Dresden und im Erzgebirge entpolitisiert – und hat vor allem keine emotionale Antwort auf die wachsende Zahl der Politik-(und Demokratie)Verdrossenen im Land gefunden.

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In der Nachwende-Zeit wurden viele soziale und wirtschaftliche Wunden geschlagen. Diese negativen Erfahrungen der Dort-Gebliebenen haben sich tief in die Seele vieler Sachsen eingegraben, werden sogar an die nächste Generation weitergegeben und artikulieren sich in der Zuwendung zur AfD und zu Pegida-Demos. Es ist Kretschmer aufgegeben, diese Menschen wieder abzuholen und im politisch-demokratischen Diskurs für unser Gemeinwesen zu gewinnen.

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