Kommentar

Nicht abschreiben: Strache zieht sich aus der Politik zurück

Da kommt einer seinem Rauswurf zuvor: Heinz-Christian Strache zieht sich aus allen Parteiämtern zurück. Offiziell zum Schutz seiner Familie. Deutlich schwerer wiegen dürfte seine enorme persönliche und politische Verantwortung am Wahldesaster der FPÖ vom vergangenen Sonntag. 

Frank Polke

 Heinz Christian Strache, ehemaliger FPÖ-Parteichef, spricht während einer Pressekonferenz. Strache hat seine politische Karriere für beendet erklärt. Foto: dpa

Zur Erinnerung: Ohne Straches Schwadronieren gegenüber einer vermeintlichen russischen Oligarchin – je nach Perspektive dummer- oder glücklicherweise auf einem Video gefilmt – wäre die ÖVP/FPÖ-Regierung in­ ­Österreich noch im Amt. Die Herren Strache, Hofer und Kickl würden ungestört die Pfründe ihrer Ämter ge­nießen. Doch Strache hat wohl auch noch die Parteikassen für private Zwecke geplündert. Das war selbst vielen Wählern der Freiheitlichen zu viel – und führte dazu, dass die ­FPÖ-Führung wirklich gezwungen ist, mit ihrem einstigen Superstar Strache brechen zu müssen. Jetzt geht er halt selbst.

Doch man sollte Strache – vorher bewundernd „HC“ genannt, mit dem man sich gern schulterklopfend zeigte – nicht ganz abschreiben. Trotz aller Skandale dürften einige seiner Seilschaften im eng vernetzten System der Alpenrepublik, in der gern Politik im Kaffeehaus gemacht wird, intakt geblieben sein. Abzuwarten bleibt, ob diese stabil genug sind, um ihn irgendwann ein Comeback starten zu lassen. Oder ob es nur für einen Rachefeldzug genügt, durch den auch die ÖVP und ihr strahlender Chef Sebastian Kurz beschädigt werden könnten.

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